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Wie man eine Bienenzucht im Walde anlegt, und Bienen in die neuen Beuten bringt.

Zum Anfange kann man sich aus seinen volkreichen Stöcken zu Hause eine Anzahl junger Schwärme oder Ableger, auf die im 6ten Abschnitt des folgenden Art. von der zahmen Bienenzucht anzuzeigende Art, machen, und diese, bei voller Tracht und Nahrung, in die neuen Beuten fassen. Man kann auch die Schwarmzeit erwarten, und da die besten Schwärme in den Wald tragen, oder irgendwo aufkaufen. Jedoch mus man sie nicht alle in einen Klumpen oder District zusammensperren, sondern, um der künftigen Schwarmzeit willen, immer eine oder zwo leere Beuten übergehen, und nach zwo leeren die dritte erst besetzen. Anfänglich dürfte man nur erst 10 dergleichen junge Colonisten in den Wald schicken; denn eine Anlegung der Waldbienenzucht, wie ich nachher zeigen werde, mus nothwendigerweise von einer Gesellschaft geschehen. Wäre nun die Gesellschaft nur 10 oder 20 Mann stark, und eine Person schickte da 6, 8 oder 10 in den Wald, so wird hieraus schon eine beträchtliche Anzahl entstehen.

Die neuen Beuten darf man gar nicht schminken; denn der harzige Geruch, wornach doch gewiß die neue Beute riecht, ist ihnen nicht zuwider. Die Melisse (Nepetha cataria) aber könnte man allemahl mitnehmen, und den Stock vorher damit recht sehr abreiben, damit er eine grüne Farbe davon bekomme; denn sie lieben diese wilde Art von Melisse, die auch Katzenmünze, Katzenkraut, Katzenbalsam, genennet wird, gar sehr. Das Einzige, was hier nöthig seyn dürfte, wäre die Gefangennehmung der Königinn. Diese schlaue Führerin könnte man auf einige Tage in einem dräthernen Häusgen so stellen, daß sie mitten im Schwarm zu oberst der Beute zu stehen käme; und man müßte sie nicht eher loslaßen, als bis sie 3 oder 4 Wachskuchen gebauet hätte. Man thut das ohnedies auch bei den zahmen Bienen, und ihren Schwärmen, wie ich an seinem Orte zeigen werde.

Man könnte auch hierbei das Reaumürische Thermometer zu Hülfe nehmen, und Achtung geben, wenn dasselbe helles Wetter verkündigte, damit man erst alsdenn seine Bienen heraus trüge, auf daß sie sogleich heitere Sonnentage zu ihrem ersten Ausfluge und Arbeit hätten. Alle diese Vorsicht mit dem Thermometer aber würde wenig helfen, wenn man nicht vorher zuverläßig weiß, daß die Biene im Walde selbst volle Nahrung findet; dieses zeigen aber die Blühten, welche zu der Zeit blühen. Man siehet bald, ob sich da Bienen auf dem nahe gelegenen Gefilde befinden, oder, ob die Blühte durch vorgegangene Wassergüsse abgespühlt ist. Man kann den auf den Fichten ausgeschwitzten Honig bald finden. Man siehet gleich, ob die Kieferblühte noch da ist, oder ob sie ein Regen verderbt hat, u. s. w. Damit man aber ganz ohne Sorgen seyn könne, so müßte man ihnen ein ziemliches Stück eines Honigkuchens unten auf den Boden mitgeben. Man thut dieses ja bei Ablegern; und wie könnte man diese kleine Mitgift seinen neuen Eremiten vorenthalten! Die muntern jungen Bienen werden gewißlich bald Anstallt machen, Wachskuchen anzubauen, wo sie ihre mitgegebene Zehrung aufheben können.

Es ist beim Zeideln eine verdrüßliche Sache, wenn mir mein Ständer seine Honigwachskuchen so bauet, daß ich zwischen jeden hineinsehen kann. Solche Stöcke zeideln sich sehr schwer, und dieses heißt kalt bauen. Hingegen kann ich mein Zeidelmesser weit bequemer herauf und herunter führen, wenn immer ein Kuchen den andern deckt, welches warm bauen heißt; denn da ist immer ein Kuchen oder Wabe ein Schutz für die andern. Ich mus mirs gefallen laßen, wie sie bauen, wenn sie mir in den künftigen Jahren selbst in die Beuten ziehen. Wenn ich sie aber selbst eintreibe, so will ich sie auch da kunstmäßig behandeln. Ich würde an ein paar kleine hölzerne Spießchen oben im Haupte zwo schöne weiße leere Wachstafeln in die Queer anspießen, wie ich vorher vom warm bauen gedacht habe. Sie richten sich sogleich darnach. Und ich hätte nun mit dieser kleinen Mühe auf immer ein bequemes Zeideln gemacht. Wiewohl Viele behaupten, und nicht ganz unwahr ist, daß der schneckenförmige Bau in den Beuten eine gute Art Bienen anzeige; welches Andere wieder verwerfen.

Nunmehr würde ich auf dieses Frühjahr meine Bienen verlaßen; denn es ist nicht zü vermuthen, daß ein solcher junger Schwarm einen sogenannten Jungfern=Schwarm abwerfen sollte. Käme er dennoch, so soll er mir lieb seyn; und so hat er ja neben sich Beuten, und er wird ohne meine Invitation daselbst einziehen. Ausserdem würde ich öfters in den Wald gehen, und ihrem fleißigen Ausfluge und Eintragen zusehen. Im Herbste würde ich alle meine neue Einwohner besuchen, um zu sehen, wieviel sie fich eingetragen; s. PfeiliconFig. 153. Da im Anfange an der Erhaltung dieser neuen Colonien viel liegt: so darf man es da nicht machen, wie an einigen Orten die Zeidler, welche die arbeitenden Schwärme im Herbste schwefeln oder tödten; sondern, ich würde das erste Jahr allen Schwachen, aus meinen vollen Beuten hinlänglichen Vorrath, um Michaelis, oder im October, beisetzen, damit sie sich solchen hinauf tragen und zuspünden könnten. Beim Visitiren kann man sich, wie bei den Gartenbienen, eines gewöhnlichen Honig=Visirers bedienen. Bei der lezten Besuchung mus man alle große Spalten und Ritzen mit Spähnen oder Lehm wohl verschmieren; jedoch so, daß sie hinlänglich Luft behalten. Das Flugloch wird ihnen auch, wegen der Vögel, kleiner gemacht, die sonst mit ihren langen Schnäbeln die vorliegenden Bienen auf das artigste hervor langen und verzehren. Wenn man diese Anweisung befolget, so hat man im ersten Jahr der Anlegung nichts mehr zu thun übrig.

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