FANDOM


3. Besondere Anweisung, wie die Wald=Beuten (Büten) zu machen sind.

In der Heide der in der Oberlausitz liegenden freien Erb= und Standes=Herrschaft Muskau, findet man in keiner andern Art von Bäumen Beuten, als in den Kieferbäumen, welche man auch wilde Fichte, Fohre, Kienbaum, Grünholz etc. nennet. Seine Blühte ist sehr oeligt, und geschiehet im Mai, und die Bienen brauchen diesen Blumenstaub zu ihrem Wachse; das Oeligte, so sie ausziehen, ist eine schwarze Art Honig. Daher ist dieser Heidehonig gemeiniglich dunkelroth; oft fällt er auch gar ins Schwärzliche, welches von diesem kiefernen Oele oder Harze herrührt. Denn, wo keine Fichten oder Tannen sind, müssen die Bienen mit dieser schwarzen Kost vorlieb nehmen, wie es auch den armen Heidebauern gehet. Er hat meist einen hohen und geraden Stamm, mit einer schuppigten Rinde; siehe Fig. 152 und 153. Die Blätter oder Nadeln sind länger, als an den Tannen, und stehen rings um die kleinen Aestchen. Die Zapfen sind pyramidalförmig, und kleiner als an den Tannen. Einen dergleichen Baum, welcher bald bis an den Gipfel glatt hinan läuft, und nicht allzuharzig, noch inwendig faul ist, nimmt der Zeidler zu seinem Zeidelbaum.

Oekonomische Encyklopaedie 152

Fig. 152

Sobald er ihn erwählt, hauet er ihm an einer Seite sein Waldzeichen ein, so in Creuzhieben h, Fig. 152, oder Quadraten, d, Fig. 153, drei oder vier Körben, halben Monden, u. d. gl. bestehet, indem jeder sein eigenes hat, damit er den Baum kenne, und wisse, wem er angehöre; und dieses heißt das Zeidel=Zeichen. Er mus im Umfange am untersten Stamme wenigstens 3 bis 4 Ellen haben. Ist er gar zu kienigt oder harzigt, welches er bald siehet, wenn er einen Laschen abhauet, und diesen eine Zeitlang der Sonne aussetzet, so ist er ihm nicht angenehm, denn da bleiben die Bienen an dem beständig austretenden Harze gern hangen. Ist er inwendig vor Alter gar faul, so taugt er auch nicht. Glatt mus er aber seyn, damit die Marder und Bären nicht leicht hinauf können. Anstatt der Kiefern, kann man auch die Fichten oder Tannen sehr gut darzu brauchen. Bloß der Eichbaum ist ganz untauglich, denn dieser entläßt einen sauern und schwarzfärbenden Saft, der das Gewirk verderbet. Ziehen gleich Bienen in hohle Eichen, so ist daselbst das Holz alt und morsch, und hat keinen dergleichen Saft mehr.

Oekonomische Encyklopaedie 159

Fig. 159

In Rußland ist die erste Arbeit eines Zeidlers, wenn er eine Beute machen will, daß er sich Fußtritte (Stopenki) einhauet, wie an Fig. 159 und 160 zu sehen; in der Lausitz aber hat man dies nicht nöthig, sondern man kommt hier auf eine bequemere Art zur Besichtigung der Beuten. Der Zeidler suchet sich nehmlich die Süd=Ostseite des Baumes aus; oft nimmt er gar nur die Morgensonne, wenn diese, wegen des Mangels anderer Bäume, zeitig darauf fallen kann. Er hohlt sich seine sehr lange leichte Leiter, Fig. 153, b, b, und leget sie an den Baum an. Sodenn nimmt er sich das Maaß von der Erde, und mißt 5, 6, auch 7 Ellen ab, und zeichnet sich mit Röthel oder Kreide die Länge und auswendige Breite des Beutenbretts ab. Ist er Willens, viele Beuten zu machen, so macht er sich wohl gar eine Stellage, auf die er ein Brett leget, damit er bequem stehen kann. Diese bestehet aus ein paar sogenannten Holzböcken, die er sich gleich im Walde von den Aesten macht. Zuerst nimmt er sein Zeidelbeil und seinen Meißel zur Hand, und meißelt so tief hinein, als er mit dem Meißel reichen kann. Wenn es aus die Art nicht tief genug wird, so hat er eine Axt, welche vorn, wo die Schärfe ist, rund ist, womit er den Baum auf das bequemste aushöhlt. Alle Zimmerleute fuhren dergleichen Aexte, und brauchen sie beim Aushauen der Rinnen und Tröge, und nennen sie ein Dächsel. Die Beuten sind von verschiedener Länge. Gemeiniglich sind sie 3, auch 4 Fuß lang. Inwendig sind sie nur 1 Fuß und 3 Zoll tief. Oben am Haupte macht er ein Queer=Holz vest, damit das Gewirke mit Honig darauf ruhen kann; siehe Fig. 152 und 153. Ist der Baum sehr bequem, so haut er wohl 2 Beuten neben einander; welches aber selten geschiehet, weil die bequemen Zeidelbäume nicht rar sind. Ist die Beute fertig, so passet er ein Brett, g, Fig. 153, welches so lang als die Beuten=Oeffnung ist, genau ab, welches nirgends einen Ritz noch Spalte läßt. Freilich sind die Beuten in Gärten bequemer, deren Beutenbrett halbiret ist, wo ich nur allemahl eine Hälfte aufmache; allein, dieses läßt sich im Walde nicht thun. Es hat sich noch niemand von den Wald=Bienenmeistern einfallen laßen, ein Fensterchen in das Beutenbrett zu machen, um hinein zu gucken, denn sie halten es für eine Tändelei. Das Flugloch wird nicht ins Brett eingeschnitten, sondern an der Seite der Beute in den Baum selbst. Zuweilen bohren sie ihnen ein ganz besonderes Loch an der Seite ein, dessen Richtung gerade gegen Südost gehet. Flugschienen hat man da gar nicht nöthig, wie man an unsern Hausbeuten und Strohkörben hat, sondern der Baum selbst dienet ihnen darzu. Diese Beute wird nun, sobald sie völlig fertig ist, bis zur Schwarm=Zeit offen gelaßen, damit sie einigermaßen austrockne. Jedoch setzen auch viele das Beutenbrett vor, winden aber kleine grüne Reiser um das Zeidelbrett, wie ich bei der Zubereitung der Beuten zur Schwarmzeit zeigen werde.

Nunmehr verläßt der Zeidler seine neue Beute, und besuchet sie nicht eher, als im Junius oder Julius, kurz vor der Schwarmzeit.

Diese Arbeit machen sie mehrentheils im Februar und März, weil es alsdann etwas wärmer zum Handthieren ist; auch wohl im September und October. Denn in diesen Monathen hat er am meisten Zeit; die Beute kann gehörig austrocknen; und es soll auch für den Baum selbst nützlich seyn.

Niemand darf sich die vergebliche Sorge machen, daß diese gemachte Oeffnung, oder die Beute, dem Wachstum des Baumes schädlich sey; sondern, die Erfahrung lehret, daß der Baum, nach wie vor, grünend und in seinem Wachstum bleibt.

4. Wie man eine Bienenzucht im Walde anlegt, und Bienen in die neuen Beuten bringt.

Zum Anfange kann man sich aus seinen volkreichen Stöcken zu Hause eine Anzahl junger Schwärme oder Ableger, auf die im 6ten Abschnitt des folgenden Art. von der zahmen Bienenzucht anzuzeigende Art, machen, und diese, bei voller Tracht und Nahrung, in die neuen Beuten fassen. Man kann auch die Schwarmzeit erwarten, und da die besten Schwärme in den Wald tragen, oder irgendwo aufkaufen. Jedoch mus man sie nicht alle in einen Klumpen oder District zusammensperren, sondern, um der künftigen Schwarmzeit willen, immer eine oder zwo leere Beuten übergehen, und nach zwo leeren die dritte erst besetzen. Anfänglich dürfte man nur erst 10 dergleichen junge Colonisten in den Wald schicken; denn eine Anlegung der Waldbienenzucht, wie ich nachher zeigen werde, mus nothwendigerweise von einer Gesellschaft geschehen. Wäre nun die Gesellschaft nur 10 oder 20 Mann stark, und eine Person schickte da 6, 8 oder 10 in den Wald, so wird hieraus schon eine beträchtliche Anzahl entstehen.

Die neuen Beuten darf man gar nicht schminken; denn der harzige Geruch, wornach doch gewiß die neue Beute riecht, ist ihnen nicht zuwider. Die Melisse (Nepetha cataria) aber könnte man allemahl mitnehmen, und den Stock vorher damit recht sehr abreiben, damit er eine grüne Farbe davon bekomme; denn sie lieben diese wilde Art von Melisse, die auch Katzenmünze, Katzenkraut, Katzenbalsam, genennet wird, gar sehr. Das Einzige, was hier nöthig seyn dürfte, wäre die Gefangennehmung der Königinn. Diese schlaue Führerin könnte man auf einige Tage in einem dräthernen Häusgen so stellen, daß sie mitten im Schwarm zu oberst der Beute zu stehen käme; und man müßte sie nicht eher loslaßen, als bis sie 3 oder 4 Wachskuchen gebauet hätte. Man thut das ohnedies auch bei den zahmen Bienen, und ihren Schwärmen, wie ich an seinem Orte zeigen werde.

Man könnte auch hierbei das Reaumürische Thermometer zu Hülfe nehmen, und Achtung geben, wenn dasselbe helles Wetter verkündigte, damit man erst alsdenn seine Bienen heraus trüge, auf daß sie sogleich heitere Sonnentage zu ihrem ersten Ausfluge und Arbeit hätten. Alle diese Vorsicht mit dem Thermometer aber würde wenig helfen, wenn man nicht vorher zuverläßig weiß, daß die Biene im Walde selbst volle Nahrung findet; dieses zeigen aber die Blühten, welche zu der Zeit blühen. Man siehet bald, ob sich da Bienen auf dem nahe gelegenen Gefilde befinden, oder, ob die Blühte durch vorgegangene Wassergüsse abgespühlt ist. Man kann den auf den Fichten ausgeschwitzten Honig bald finden. Man siehet gleich, ob die Kieferblühte noch da ist, oder ob sie ein Regen verderbt hat, u. s. w. Damit man aber ganz ohne Sorgen seyn könne, so müßte man ihnen ein ziemliches Stück eines Honigkuchens unten auf den Boden mitgeben. Man thut dieses ja bei Ablegern; und wie könnte man diese kleine Mitgift seinen neuen Eremiten vorenthalten! Die muntern jungen Bienen werden gewißlich bald Anstallt machen, Wachskuchen anzubauen, wo sie ihre mitgegebene Zehrung aufheben können.

Es ist beim Zeideln eine verdrüßliche Sache, wenn mir mein Ständer seine Honigwachskuchen so bauet, daß ich zwischen jeden hineinsehen kann. Solche Stöcke zeideln sich sehr schwer, und dieses heißt kalt bauen. Hingegen kann ich mein Zeidelmesser weit bequemer herauf und herunter führen, wenn immer ein Kuchen den andern deckt, welches warm bauen heißt; denn da ist immer ein Kuchen oder Wabe ein Schutz für die andern. Ich mus mirs gefallen laßen, wie sie bauen, wenn sie mir in den künftigen Jahren selbst in die Beuten ziehen. Wenn ich sie aber selbst eintreibe, so will ich sie auch da kunstmäßig behandeln. Ich würde an ein paar kleine hölzerne Spießchen oben im Haupte zwo schöne weiße leere Wachstafeln in die Queer anspießen, wie ich vorher vom warm bauen gedacht habe. Sie richten sich sogleich darnach. Und ich hätte nun mit dieser kleinen Mühe auf immer ein bequemes Zeideln gemacht. Wiewohl Viele behaupten, und nicht ganz unwahr ist, daß der schneckenförmige Bau in den Beuten eine gute Art Bienen anzeige; welches Andere wieder verwerfen.

Nunmehr würde ich auf dieses Frühjahr meine Bienen verlaßen; denn es ist nicht zü vermuthen, daß ein solcher junger Schwarm einen sogenannten Jungfern=Schwarm abwerfen sollte. Käme er dennoch, so soll er mir lieb seyn; und so hat er ja neben sich Beuten, und er wird ohne meine Invitation daselbst einziehen. Ausserdem würde ich öfters in den Wald gehen, und ihrem fleißigen Ausfluge und Eintragen zusehen. Im Herbste würde ich alle meine neue Einwohner besuchen, um zu sehen, wieviel sie fich eingetragen; s. Fig. 153. Da im Anfange an der Erhaltung dieser neuen Colonien viel liegt: so darf man es da nicht machen, wie an einigen Orten die Zeidler, welche die arbeitenden Schwärme im Herbste schwefeln oder tödten; sondern, ich würde das erste Jahr allen Schwachen, aus meinen vollen Beuten hinlänglichen Vorrath, um Michaelis, oder im October, beisetzen, damit sie sich solchen hinauf tragen und zuspünden könnten. Beim Visitiren kann man sich, wie bei den Gartenbienen, eines gewöhnlichen Honig=Visirers bedienen. Bei der lezten Besuchung mus man alle große Spalten und Ritzen mit Spähnen oder Lehm wohl verschmieren; jedoch so, daß sie hinlänglich Luft behalten. Das Flugloch wird ihnen auch, wegen der Vögel, kleiner gemacht, die sonst mit ihren langen Schnäbeln die vorliegenden Bienen auf das artigste hervor langen und verzehren. Wenn man diese Anweisung befolget, so hat man im ersten Jahr der Anlegung nichts mehr zu thun übrig.

El contenido de la comunidad está disponible bajo CC-BY-SA a menos que se indique lo contrario.