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10. Von der Waldbienenzucht in Rußland, und ihrem künstlichen Bärenfange.

Die Bienenväter in den Wäldern des Landes Baschkirija, hauen sich ihre Stöcke in verschiedener Arten Bäume, als: Eichen, Linden, oder mehrentheils Kiefern. Sie halten kein reguläres Maaß im Aushauen, sondern machen sie von verschiedener Größe und Höhe des Baums von 8 oder 10 Ellen, und auch noch höher. Es giebt in gedachtem Lande Leute, welche wohl 500 dergleichen Bienenstöcke haben. Die Besorgung dieser wilden Bienen verrichten die unter ihnen befindlichen Armen, welche fast davon leben, und gehörige Instrumente dazu haben. Sie pflegen solche im Herbste und Frühling mit allem Fleiß zu reinigen und zu unterkehren; dafür bekommen sie von den Wirthen einen gewissen Lohn. Für das Aushauen von jedem Baum bekommen sie 4 Copeiken und mehr. (Ein Copeik ist etwa 4 Pfennige nach unserm Gelde.)

Ein Mann, der 200 Stöcke wartet, d. h. aushauet, reiniget, unterkehret, zeidelt, und Hönig schneidet, heißt ein Bienenwärter. Die meisten Bienenwirthe aber miethen keine Arbeiter dazu, sondern verrichten diese Arbeit, aus Liebe zu ihren Bienen, selber; alte Leute ausgenommen, denen es beschwerlich wird. Kurz, ihre Hauptöconomie bestehet sonst in der Pferde= und Bienenzucht; in dieser sind sie sehr fleißig und erfahren. Wer dergleichen Arbeit nicht gesehen hat, dem scheint sie unglaublich zu seyn, wenn er den Menschen die entsetzliche Höhe hinaufsteigen siehet, der nicht an den Aesten des Baums, sondern durch Hülfe eines ledernen Riemen, welchen er über einen Ast wirft, und sodenn mit den Händen an beiden Enden anfasset, und also die ausgehauenen Stufen (Stopenki) in die Höhe steiget, und alsdenn seine Arbeit mit Bequemlichkeit verrichtet.

Oekonomische Encyklopaedie 159

Fig. 159

Fig. 159, stellet einen Baum vor, in welchem ein aufgemachter voller Bienenstock zu sehen ist. a ist der volle Bienenstock. b ist der Zeidler, der sich mit einem ledernen Riemen umwunden und vest gemacht hat, und seine Kappe. c ist das Instrument oder Zeidelmesser, damit er den Stock aufbricht und ausschneidet. d ist der volle Korb, den er mit Honig herunter läßt. e ist ein Gehülfe, der den Korb herunter langen hilft. f sind sein Sebel, sein Bogen und seine Pfeile. Fig. 160, abermahls ein mit einem ledernen Riemen umschlungener, und in den ausgehauenen Staffeln hangender Bienen=Mann, mit seiner Kappe. a ist ein ander Instrument, als b, womit er aufbricht und zeidelt. c, c, c, c sind die in den Baum ausgehauenen Stufen. Fig. 161, ist ein Gehülfe, welcher 2 volle Körbe mit Honig von Stroh oder Weiden nach Hause trägt. Es giebt Bienenstöcke, aus welchen man in Honig=reichen Jahren 2 oder mehr Pud Honig und Wachs zeideln kann. (Ein Pud hat 40 Pfund nach dem russischen Landgewicht; nach dem amsterdamer, hamburger und pariser Gewicht aber nur 33 Pfund.) Man findet auch solche, die nicht mehr als 1/2 Pud geben, und bisweilen auch noch nicht soviel. Bei solcher Waldbienenzucht ist man der Sorge wegen Einfassung der Schwärme überhoben.

In großen und dichten Büschen thun die Bäre sehr vielen Schaden. Obgleich der Stock sehr hoch ist, so können sie doch gut hinauf steigen, das Zeidelbrett aufmachen, und den Honig sammt den Bienen verzehren; allein dieser Diebstahl und diese Näscherei bekommt ihnen nicht gut, weil sie die Bienen sehr zerstechen. Man sagt, daß die Bienen haufenweise auf sie fallen, und ihnen viel Schmerzen verursachen, worüber sie von den Bäumen herab fallen, und sich auf der Erde herum wälzen, weil sie glauben, durch dieses Herumwälzen alle Bienen, die in ihren Haaren sind, zu zerquetschen. Bisweilen laufen sie auch zum Flusse, und werfen sich ins Wasser, um die Bienen los zu werden. Dieses aber bringt sie nicht zur Besserung; sondern, sobald sie die Bienen los sind, so gehen sie wieder ihrer Näscherei nach, und dieses dauert solange als sie Honig finden, und bis sie ums Leben gebracht werden. Zur Vertilgung dieser Feinde hat man verschiedene Arten erfunden, wovon folgende die besten sind.

Oekonomische Encyklopaedie 162

Fig. 162

1. An den Bäumen, wo eingehauene Stöcke sind, bindet man einen großen dicken schwebenden Klotz a, Fig. 162, an einen Ast, welcher das Zeidelbrett etwas zudeckt, daß dieser Klotz im Aufmachen den Bär hindert. Wenn nun der Bär das Zeidelbrett aufmachen will, so mus er sich den Klotz nothwendig mit seiner Pfote wegstoßen, welcher aber auch allemahl wider ihn zurückprallt, worüber er böse wird, und mit großer Heftigkeit sich denselben aus dem Wege räumen will; er prallt aber desto heftiger zurück, und dauert so lange, bis der Bär herunter fallen mus. Unten auf der Erde sind spitzige Hölzer gesteckt, auf welchen er sich anspießet, und viele Wunden bekommt, von welchen er stirbt, oder so er ja davon liefe, mit leichter Mühe gefangen wird.

2. Man nimmt eiserne oder eichene Spitzen, und schlägt sie in den Baum, so daß sie aufwerts stehen; a, Fig. 163, damit der Bär sehr bequem den Baum hinauf steigen kann. Wenn er nun entweder sich zu satt gegessen, oder durch ein Geräusch schüchtern gem acht wird, und seinen Weg wieder zurückgehen will, so zersticht er sich den dünnen Unterleib, und macht sich soviel Wunden an diesen Spitzen, daß er auf der Erde todt liegen bleibt.

3. Folgende Weise, deren sich die Baschkiren und Tscheremissen im uffischen Kreise bedienen, ist noch künstlicher. Es wird am starken Gipfel des Baumes ein Queerholz mit Stricken angebunden, an welchem Holze an einem Ende ein viereckig Brett an Stricken hänget, in der Gestallt einer Wage. Dieses Queerholz nebst dem angebundenen Brett wird krumm zusammengebogen, so daß dieses hangende Brett sehr nahe an dem Flugbrette hängt, und so künstlich gemacht ist, daß es dem Bär nicht die geringste Furcht erwecket, sondern daß er getrost und begierig den Baum hinauf steigt. Sobald er das Zeidelbrett aufgemacht, und Honig zu fressen anfängt, so mus er nothwendig das an dem Queerholze hangende Brett berühren; sogleich löset sich das Holz, und schleudert das Brett nebst dem nunmehr darauf stehenden Bäre, weit von dem Bienen=Stocke, daß er in Gestallt einer Wage am Baume hängt. Alsdenn ist es dem Bär keine Möglichkeit, dem Baume sich wieder zu nähern, sondern gänzlich verboten; er siehet also keinen andern Rath mehr, auf die Erde zu kommen, und ist sehr furchtsam, und heulet so erbärmlich, daß der ganze Wald sich erschüttert. Alsdenn kommt der Bienenwirth mit seinem Pfeile, und schießt nach ihm, wodurch er gezwungen wird, von seinem Brett zu springen, unter welchem ihm der Wirth lauter spitzige Hölzer in die Erde gesteckt hat, auf die er nothwendig fallen mus, da er denn seinen Leib spießt, und stirbt. Man sagt, daß diese Art die Bären zu fangen sehr lustig sey, besonders wenn er auf dem Brette sitzt, sich umsiehet, und nicht weis, wie es mit ihm werden will.

Oekonomische Encyklopaedie 164

Fig. 164

Eine Abbildung dieses Bärenfanges, liefern Fig. 164 und 165. Fig. 164 stellet die Falle aufgestellt vor. a ist der heraufkriechende Bär; b, die Beute, woran die Falle angebracht ist; c, die Falle mit einem Falleisen, so an das Zeidelbrett angemacht; d, der an das Zeidelbrett angebundene Ast, welcher abprallt, wenn er das Zeidelbrett aufmacht. Fig. 165 stellet einen Baum vor, wo sich der Bär auf einer solchen Falle in Gestallt einer Wage und ihres Balkens gefangen. a, die Bienenbente; b, der gefangene Bär, wie er sich schüchtern umsiehet; c, der Balken oder frische Ast, so ihn abgeprellt; d, der Stein, so dem Wage=Balken das Gleichgewicht gegeben; c, lange spitzige Pfähle, wo sich der Bär spießet, wenn er herunter springt; f, der russische Bienenwirth, wie er ihn mit Pfeilen erleget.

4. Die vierte Weise, die Bäre zu fangen, ist folgende. Auf den Fußsteigen, wo der Bär beständig wandelt, macht man eine besondere Art von Fang=Instrumenten. Man spannet queer über den Fußsteig einen trocknen und biegsamen Hebebaum, und stecket spizzige Messer, Sicheln oder Sensen hinein. Dieses alles wird so künstlich verfertigt, daß, wenn es der Bär nur kaum anrührt, im Augenblick der starke Hebebaum auf ihn schlägt, und ihn entweder auf demselben Ort, oder nicht weit davon, todt machet; denn er gehet weg, und bleibt nachher in seinen Wunden liegen, und stirbt. Oft geschiehet es, daß der Hebebaum den Bär nicht trifft, und wird von Wunden frei; wenn er das merket, so gehet er auf der Seite vorbei.

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