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12. Von der Waldbienenzucht und Zeidlergesellschaft im Amte Hoyerswerda in der Oberlausitz.

Aus dem unterm 1 Apr. 1724 erneuerten und vermehrten Privilegio des Hrn. Seyfried von Promniz, Freiherrn zu Pleß, v. 16 Febr. 1585, (welches Schirach in seiner Waldbienenzucht, S. 182--189, von einer Abschrift aus dem Originaldocument liefert,) erhellet, daß die Hoyerswerdaische Zeidlergesellschaft, schon im J. 1558 als eine alte, berühmte, und durch ihr Wohlverhalten geliebte Gesellschaft angesehen, und von Hrn. Willhelm v. Schumburgk, Erb=Lehn= und Gerichts=Herrn zu Hoyerswerda, mit Freiheiten begnadiget worden. Sie kann also leicht schon zu den Zeiten seiner Vorfahren, um das Jahr 1492 entstanden und in Flor gekommen seyn.

Sie trieben vorher ihre Bienenwirthschaft zu Hause, und in ihren eigenen Wäldern. Als sie aber sahen, daß die herrschaftlichen Heiden auf diese Art, ohne Schaden der Herrschaft, auch sehr wohl benutzet werden könnten, ohnedies viele 100 Tonnen Honigs ein Jahr lang von der Luft und Sonne vertrockneten: so haben sie vermuthlich Anfangs um die Erlaubniß, Beuten in der Herrschaft Wäldern zu machen, angesucht, und einen Zins hiervon versprochen. Die Herrschaft hat es angenommen, und der sämmtlichen Censiten Nahmen aufgeschrieben, welche sich hierauf, damit sie von den andern Unterthanen in ihrer Nutzung nicht beeinträchtiget würden, von der Herrschaft ein Privilegium ausfertigen laßen. Da es allen zusammen gegeben wurde, so entstand daraus eine geschlossene Gesellschaft, die sich Zeidler, auf wendisch aber Dziedzizarjo, nennen ließen. Wiewohl sie hierinn von den übrigen Zeidlern abwichen; denn die nennen sich Czolnizy, oder Czolnik, ein Bienenmann, von Czola oder Czolar, eine Biene.

Diese Gesellschaft besteht aus 82 Mitgliedern, welche insgesammt Erbunterthanen der Grundherrschaft, und nicht etwa aus einem Dorfe, sondern aus verschiedenen nahe am Walde gelegenen Dorfschaften sind. Sie theilen sich in drei Viertel, nehmlich in das Neuwiesische, Collmsche und Neudörfelische, und erkennen ein Oberhaupt über sich, das sie Starosten nennen. Diesem sind aus jedem Viertel zween Schöppen zugegeben, zu denen lezten aber aus jedem Viertel noch ein Assistent bestellet wird, der aber bei diesem Gerichte nichts zu sprechen hat, sondern nur zuhören und gleichsam lernen mus. Alle Jahre, den Dienstag nach Michaelis, halten die Zeidler in Hoyerswerda ihre Zusammenkunft, erwählen den Starosten, die Schöppen und Assistenten, und bezahlen den jährlichen Zins an die Herrschaft; und wenn etwas vorgefallen, so die Gesellschaft überhaupt oder einige Mitglieder angeht, so wird solches alsdenn vorgetragen, in Erwägung gezogen, und friedlich beizulegen gesucht.

Sie haben aber auch allemahl einen gelehrten Beisitzer, den sie sich selbst erwählen. Diesem vertrauen sie ihre Originaldocumente zur Verwahrung, und in zweifelhaften Fällen ertheilt er ihnen seinen guten Rath und Beistand. Zu gedachter Zeit werden auch neue Mitglieder, auf die durch den Tod erledigten Stellen, feierlich angenommen. Sie müssen durch einen Handschlag dem Starosten und Schöppen Gehorsam angeloben. Die Zeidlergemeinde erhält aber von diesem Candidaten einen Leihkauf, so im Biere besteht. Der Starost wird alle 3 Jahre aus den Vierteln wechselsweise erwählet; von den Schöppen aber geht jährlich aus jedem Viertel nur Einer ab, und die Assistenten treten an ihre Stelle. Die Assistentenstellen werden aber auch sogleich wieder besetzt. Der Zeidelzins hat ehedem in Honig bestanden; aus der Fürstl. Teschenschen Confirmation aber ersiehet man, daß sie ihn freiwillig in Geld verwandeln können. Es wird also jezt in Gelde abgetragen, und ist auf 33 Rthlr. gesetzt worden. Ausser den Privilegiis, worinn ihnen bereits einige Ordnung vorgeschrieben, haben sie keine besondere Statuta oder Gesetze.

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