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10. Von der Fütterung der Bienen.

Die Fütterung der Bienen scheint das Leichteste der ganzen Bienenwartung zu seyn, und ist in der That das Schwerste. Diese Fütterung geschiehet in einer dreifachen Absicht: 1) damit die leichten Körbe nicht verschmachten; 2) damit man das Schwärmen befördern; und 3) den Bienen zum Geruch, oder bei einer zugestoßenen Krankheit, das Nöthige geben könne. <4, 694>

Um zu wissen, ob man unvermögende, kranke und bedürftige Bienen habe, die unserer Vorsorge benöthigt sind, mus man jährlich zwo Hauptvisitationen anstellen; eine im Herbst, ungefähr um Michaelis, die andere aber im Frühling, so zeitig als möglich. Im Herbst darf man keine Nachsicht unterlaßen; denn es kann oft der beste Stock durch einen Zufall zur Zeit der Honig=Erndte schwach geworden seyn. Es können unfruchtbare Zeiten vorgefallen seyn, da sie zwar immer ausgeflogen sind, aber nichts eingetragen haben. Besonders mus man sich die Wartung ihrer Jungen, ihres Zuwachses, der Schwärme und Ableger, empfohlen seyn laßen. Im Frühjahr darf man noch weniger unachtsam seyn; denn es ist ewig Schade, wenn sich ein Volk bis dahin glücklich erhalten hat, und man will es alsdenn umkommen laßen.

Um ihren Mangel oder Vorrath zu erkennen, macht man die Beuten, Stöcke oder Körbe auf, und betrachtet das Nest von allen Seiten. Findet und siehet man nun etwa, 2 oder 3 Zoll von den Spitzen der Ränder gerechnet, sofort Honig, und zwar noch in vielen Scheiben, so ist gute Zeit da. Erblicket man aber mit bloßen Augen nichts, so ergreift man den dräthenen Honig=Visirer, (s. Pfeil-IconS. 562) und sucht damit den Honig auf beiden Seiten. Man darf da eben nicht in den Haufen hineinbohren, denn da ist nie keiner. Nachdem nun der Visirer tief oder nicht tief in den Honig hineingehet, darnach beurtheilt man ihren Mangel oder Ueberfluß. Diese Beurtheilung ergiebt sich von selbst, wenn man ungefähr die Stärke oder die Schwäche eines Volks kennt.

Honig ist die natürliche und eigentliche Nahrung der Bienen, und deswegen mus man beständig einen Honig=Vorrath haben. Man kann zwar aus Honigvollen Stöcken einige Honigscheiben ausschneiden, und denen Dürftigen dicht an ihre Nester stellen. Man zerritzt in dieser Absicht mit einem reinen Messer die Wachsdecken, <4, 695> damit sie ihn desto eher bekommen können. Allein, man thut es nicht gern, weil man nicht weiß, ob es dem alten Stocke nicht selber fehlen könnte.

Von dem Honig mus man gewiß versichert seyn, daß er rein und sauber ist, sonst wird dadurch mehr Schaden, als Nutzen gestiftet. Honig, der von abgestandenen oder im Herbst getödteten Bienen, darinnen Brut, Honigbrod, oder anderer Unrath sich befindet, ausgepresset worden; Honig, den man von fremden Personen kaufet, von welchen man nicht gewiß weiß, ob sie die Geschirre reinlich gehalten, und ob sie denselben nicht gar, zu ihrem vermeinten Vortheil, betrüglicherweise mit Mehl, Kleyen, oder Ziegelmehl vermischt haben, solcher Honig ist nicht zum Füttern zu nehmen, sondern nur der reine Honig, der im obersten des Korbes bei gesunden Bienen angetroffen wird, welchen die Imker Rauchhonig nennen; dieser hält sich viele Jahre, und ist besser, als der geseimte, weil hier die Bienen das eingetragene Blumenmehl, so sie fruchtbar macht, finden, welches zwischen dem geseimten fehlet.

Bei der Fütterung selbst ist folgendes zu beobachten: 1. Im Herbste giebt man den Honig in Näpfchen, und setzt es ihnen unter das Nest.

2. Im Frühling kann man aber allemahl den dritten Theil laulicht rein Wasser darunter gießen. Denn, da sie zu der Zeit ausfliegen, so können sie das überflüßige Wasser eher ausschwitzen. Man verlängert auch dadurch ihre Speise.

3. Man gießt es ihnen nicht in irdene, porcellane oder gläserne Gefäße, weil diese, wegen ihrer Glasur, zu glatt, und auch zu kalt sind. Die Bienen bleiben erstarrt im Gefaß, weil sie nicht herauf können.

4. Man beleget den Honig, der in dem hölzernen Napf ist, mit zerschnittenen Strohhälmchen, Ruthen oder Hölzchen, oder auch mit leeren Wachs, welches <4, 696> das beste ist, damit ihnen dieses anstatt einer Brücke diene, daß sie nicht ersaufen.

5. Manche raffiniren auch hierinnen, und haben auf Verbesserungen gedacht. Einige laßen dünne Brettchen von Schachteldeckeln durchlöchert machen, und belegen damit den Honig. Andere laßen sich von Blech solche Näpfchen machen, in welche sie durchlöcherte Deckel einpassen laßen, damit auf keiner Seite eine Biene umkommen kann. Sie geben vor, in diesem blechenen Napfe könnten sie den zurückgebliebenen Honig allemahl bequem wärmen, und wieder hinsetzen. Noch andere laßen sich länglichte Tröglein machen, die sie durch ein eingesägtes Loch in das Beutenbrett hinein und herausschieben können, ohne mühsames Aufmachen der Beutenbretter. Bei denen oben Pfeil-IconS. 473 an den Beutenbrettern angerathenen durchlöcherten Blechen, (PfeiliconFig. 169), findet man das eine Blech als ein Schieber, den man auf= und zumachen kann, vorgestellt. Man verwechselt also in der Fütterungszeit die Beutenbretter, damit der Schieber gleich unter das Nest komme, und schneidet indeß ein kleines Flugloch hinein; jenes aber macht man mit einer Scheibe zu.

In dem Badendurlachischen Bienenvater, findet man folgenden sehr nützlichen Futterteller beschrieben. Zuerst wird eine Röhre von Büchenholz ausgedrehet. Unten, wo sie auf den Korb aufgesetzt wird, hat sie 3 eiserne Stifte, ist rund und so groß, daß damit eine flache Hand bedecket werden kann. Oben wo der Futterteller darauf gesetzt wird, ist sie eines starken Daumen dick, und bekommt daselbst einen Rand, wo der Futterteller aufsitzet, und in das Loch einen Stöpfsel, damit man, wenn der Teller weg ist, den Bienen den Ausgang verwehren könne. Inwendig wird diese Röhre schräg ausgedrehet, damit die Biene bequem herauf, und durch dieselbe in den Futterteller laufen könne. Der Futterteller selbst, der am besten von Lindenholz gemacht wird, ist rund, und etwa so groß, als ein gewöhnlicher hölzerner Teller, aber wenigstens 2 Zoll dick. In der Mitte bekommt er ein rundes Loch, so groß, daß er gemächlich in die Röhre eingesetzet werden kann. Inwendig <4, 697> wird er in die Runde, aber nicht ganz, sondern rinnenweise, ausgedrehet, so daß jedes Fach oder Rinne durch einen Rand von dem andern unterschieden wird. Ueber den Futterteller kommt ein Deckel, welcher inwendig ausgedrehet wird, damit die Bienen über die Ränder im Teller ungehindert hin und her laufen können, und der Rand des Deckels den Teller einen Zoll tief völlig umschlüße. Wenn man das Holz vorher in siedendem Wasser stark kochet, so reißt und wirft sich dasselbe nicht so leicht. Will man nun einen Bienenstock füttern, so macht man ein 2 Zoll weites Loch in den Kopf oder Deckel des Korbes, (in neuen Körben kann man solche Löcher gleich einflechten laßen,) stiftet die Röhre darüber ein, und setzet auf dieselbe, nach ausgezogenem Stöpfsel, den gefüllten Futterteller, und füttert also seine Bienen sicher und bequem. Hierdurch wird allen demjenigen vorgebeuget, was das Füttern der Bienen beschwerlich und gefährlich machen kann. Hier können die Raubbienen nicht beikommen; die eigenen Bienen können nicht in den Honig fallen, und denselben verunreinigen. Hier kann man auch bei kalter Witterung füttern, zu welcher Zeit sonst die Bienen nicht aus ihrem Neste, nicht auf den Boden des Korbes gehen, wenn sie auch verhungern sollten.

Herr Korsemka läßt die Bodenbretter, auf welche die Körbe und Kästen gestellet sind, und welche auch in den Stöcken eingeschoben werden, mit 2 Futtertröglein versehen. Diese Bodenbretter sind dergestallt ausgeschnitten, daß die Futtertröglein, welche nur etwa 1/2 Zoll tief seyn dürfen, darinnen eben zu liegen kommen, und ganz bequem aus= und eingeschoben werden können, ohne daß es nöthig ist, einen Korb oder Kasten aufzuheben, oder an einem Stock das Schlußbrett zu öffnen, und dadurch die Bienen zu beunruhigen. Die Zeichnung von diesem Futtertröglein findet man PfeiliconFig. 226. Zwischen beiden Tröglein befindet sich ein mit Löchern versehenes Schiebbrettlein, welches die in der Mitte ausgeschnittene Oeffnung bedecket, bis es bei dem Untersetzen eines zweiten Korbes ausgezogen, und ein kürzeres, welches nur bis an die Oeffnung reicht, dafür eingeschoben wird. <4, 698>

Ein von Herrn Wildmann erfundenes Futternäpfchen, findet man oben, Pfeil-IconS. 624, f. beschrieben, und PfeiliconFig. 216 abgebildet.

6. Träfe sichs aber, daß die Bienen den zugesetzten Honig vor Hunger und Mattigkeit gar nicht erreichen könnten, so nehmen Einige Holunderröhrchen, und flößen ihnen, wie Säuglingen, den warmen Honig ins Nest. Andere hingegen kehren den Stock um, und besprengen ihn mit Honig und Fenchelwasser. Noch Andere wärmen Steine, damit sie der aufsteigende Broden wieder erwärme, und setzen ihnen alsdenn Honig zu. Es ist hier aber allemahl große Gefahr. Wer sich die Palteausche oder Eirichsche Art Bienenstöcke machen läßt, wo unter dem Tische ein Schieber ist, der kann sie füglich durch diese Oeffnung mit einer Kohlenpfanne erwärmen.

In Ermangelung des Honigs, kann man die Bienen auch mit allerhand andern Nahrungsmitteln füttern. Ordentlichen Syrup nehmen die Bienen gar nicht an; auch ist er ihnen schädlich. Man hat damit sowohl, als mit dem sonst überaus süßen Möhrensafte, fruchtlose und kostbare Versuche angestellt. Ein gleiches gilt auch von dem klargeriebenen Küchensalz, welches der Hr. Prof. Kalm in Vorschlag bringt, nebst andern vegetabilischen Salzen. Der Zucker allein, und lange zur Fütterung gebraucht, ist völlig ungesund und schädlich, weil die kalkigte Lauge, die ihn vestmacht, ihr Eingeweide zerbeizt und eine Säure verursachet. Doch hat man auch wahrgenommen, daß, wenn man Hamburger Zucker nimmt, dieser noch eher angehet, als der Berliner. Man nimmt auf 2 Pfund feinen Hamburger Zucker, 1 Dresdner Kanne rein Wasser, läßt solches 1/4 Stunde aufsieden, nimmt den Schaum ab, wirft auch währendem Sude das Weiße von einem frischen Ei hinein, an welches sich vollends aller Kalk im Zucker legen wird. Der auf solche Art zubereitete Zucker ist für die <4, 699> Bienen ungemein wohlschmeckend, und wird von ihnen so begierig, als der Honig selbst, angenommen. Herr von Reaumür schreibt: „Ich setzte einen Teller mit Wasser und aufgelösetem Zucker, der wie ein Syrup war, für sie hin. Die Bienen machten sich darüber, und bald war ein Wachskuchen mit Honig angefüllt, obgleich im Felde keiner war. Ich nahm ihnen diesen angefüllten Kuchen, von welchem ich glaubte, er würde lauter Zucker seyn. Ich fand auch wirklich einen bessern Geschmack daran, als am gemeinen Honig; übrigens aber war es wirklicher Honig. Ich glaubte, es würde sich eher körnen, als gemeiner Honig; aber seit 4 Jahren, da ich es aufhebe ist es hell, durchsichtig und flüßig geblieben, wie es vom Anfang war. Dieses bestätiget die Erfahrung, daß dieser Zucker in dem Leibe der Bienen, als Honig zubereitet werde ”.

DDC-Icon Man hat auch in der Lausitz viele Stöcke mit dergleichen in behöriger Quantität gefüttert, und am Ende der Fütterung in den Zellen nachgesehen, da denn der Honig eine gelbliche Farbe und honigartigen Geschmack erhalten hat. Die Bienen befinden sich wohl dabei; und da 2 Pfund feinen Zuckers ungefähr 14 Groschen kosten, und nebst dem Wasser 2 Kannen Bienenfutter geben, so verschaffet man den Bienen eben so viel Nahrung, und thut noch immer besser, als wenn man für 2 Thaler 2 Kannen einländischen Honig kauft, oder sie mit betrüglichen ausländischen Honig zu Tode füttert. Kann man in oberwähnte Quantität Zuckerwasser, oder vielmehr Zuckersyrup, (denn nach dem Sude wird es kleberig und dick) einen einzigen Löffel voll Honig, oder wöchentlich einmahl 1 Löffel guten, besonders spanischen, Wein thun, so giebt man ihnen dadurch eine wahre Arzenei und herrliche Stärkung. Man hat ehedem geglaubt, diese Art Fütterung gehe nur im Frühling an; neuerlich aber hat man angemerkt, daß solches auch im Herbste zuträglich ist. Man kann auch zum gereinigten Zucker etwas gestoßenen Fenchel thun, und nachher das gesottene Wasser darauf gießen, so bekommt der Zucker durch den Fenchel einen die Bienen lockenden <4, 700> Geruch. Der Cammerherr von Rodewitz, ist auf die gegründete Muthmaßung gerathen, ob man nicht den weißen Zuckercandi sicherer brauchen könne, welcher die schädlichen Theile, die im Zucker sind, nicht mehr hat, indem er durch oftmahliges Auflösen dick einkochet, und durch das Anschießen in der Wärme unter die Königszucker, oder unter die gereinigten feinen Zucker, gerechnet wird. Hr. Past. Schlacht in Leschwitz versichert, daß er, bei gänzlichem Mangel des Honigs, seine hungerige Bienen mit nichts anders, als mit dem sogenannten Thomaszucker, den er gehörig gesotten und wohl abgeschäumt hatte, erhalten habe. Und Hr. Oberacciseeinnehmer Lehmann in Meißen sagt, daß er auch den Farinzucker, als welcher gleichfalls ohne Zusatz ist, für sehr dienlich befunden. Da beide Sorten fast auf Eins hinauslaufen, nur daß eine Sorte feiner, als die andere, so ist dieses also nur für eine subsidiarische Bienenkost zu halten. Einige haben ausgetrocknete Feigen, zerstoßen und mit Wasser vermengt, ingleichen Rosinwasser und Weinmost zu geben angerathen. Dieses aber ist sehr kostbar. Das allerwohlfeilste Nahrungsmittel für arme Bienenwirthe ist der Birnenmeth oder Birnensaft. Man nimmt im Herbste die Poire blanc. oder weiße Butterbirn, die, wenn sie eine Zeitlang liegt, weich und fast zu lauter Saft wird, desgleichen die sogenannte Zapfen= oder Hängelbirn, die zwar, vom Baume genommen, sehr herb schmeckt, wenn sie aber 8 Tage lang gelegen hat, weich wird, und fast noch mehr Saft hat, als die vorige. Sobald diese Birnen vollkommen weich sind, werden sie mit einer Krautscharbe gescharbt, in einen Sack gethan und ausgepresset, da denn ein Viertel Birnen wohl an 8 Kannen Saft geben. Die grobe Substanz dieser Birnen dient, wenn sie hernachmahls gekocht wird, noch immer zur Speise für die Menschen. Den ausgepreßten Saft aber thut man nicht in ein kupfernes <4, 701> Geschirr, sondern in einen irrdenen Tiegel, und läßt ihn einige Stunden an einem gelinden Feuer so lange einkochen, bis er zu einem süßen Syrup wird. Desselben erhält man von 8 Kannen Saft etwa 3 Kannen; allein, dieser ist alsdann von so würzhaften guten Geschmack, daß er dem Honig sehr gleich kommt. Je länger er stehet, desto consistenter und honigartiger wird er. Nur mus er bei dem Kochen nicht anbrennen, noch allzudick werden, sondern fließend und braungelblicher Farbe bleiben. Da kein Wasser hinzukommt, sondern lauter Saft, der bereits von der Sonne rectificirt worden, so erhellet hieraus dessen vorzügliche Güte, und Möglichkeit, von den Bienen in Honig verwandelt zu werden. Dieser Birnensyrup mus im Herbst den Bienen laulicht vorgesetzt werden. Denn, wenn er kalt ist, kann er so wenig als der kalte Honig in kalter Witterung von ihnen genossen werden. Das Viertel dergleichen Birnen kostet etwa 4 Groschen, und da solches 3 Kannen dergleichen Syrup giebt, so kann fast keine wohlfeilere Fütterung erfunden werden. Daher Bienenwirthe wohlthun würden, wenn sie sich dergleichen allemahl im voraus zubereiteten, indem er viele Jahre dauert; und wenn er durch die Länge der Zeit verdicket, beim Gebrauch nur wiederum mit reinem abgesottenen Wasser verdünnet werden darf. In Ermangelung dieses Syrups geht es auch mit gebackenen Birnen an.

In der Niederlausitz, besonders in der Gegend Sorau, findet man eine ungemein schmackhafte Birn, welche dort die Liesdörfer oder Freystädter, auch Muscaten=Pancratien=Birn, genannt wird. Von dieser, wenn sie gut gebacken sind, nimmt man 1 Dreßdner Maaß, gießt darauf 6 bis 7 Quart Wasser, und läßt es bei einem gelinden Feuer so lange kochen, bis es auf 4 oder 5 Quart eingekocht, und zu einem Syrup worden ist. Man läßt dieses auf den Birnen stehen, das Zähe und Grobe davon sich setzen, und hebet es in einem <4, 702> frischen Keller zum Gebrauch auf. Den Bienen giebt man solchen Saft in gewöhnlichen hölzernen Futternäpfchen; nur müssen diese immer rein ausgebrühet und abgetrocknet werden, damit sich keine Säure am Boden anlege. Thut man in diesen Saft ein paar Löffel des vorher erwähnten aus Zucker bereiteten Syrups, so ist er den Bienen desto angenehmer. Es kann seyn, daß andere Arten gebackener Birnen gleiche Wirkung haben. Leztere wohlfeile Fütterung mit den ausgekochten Birnen, hat nicht im Herbste, sondern nur im Frühlinge, wenn sie ausfliegen können, Statt; hingegen gilt dieses von dem ausgepreßten Syrup aus der weißen Butterbirn nicht; dieser kann auch im Herbste gegeben werden. Auch soll das Birkenwasser, mit etwas Honig vermischt, dienlich seyn.

In Pommern füttert man, wie Hr. Pr. Schreber, im XI Th. seiner Neuen Cameralschr. S. 221, f. meldet, auf folgende Art: Man gießt auf einen Teller von recht guten und süßen Braunbier so viel, daß die Oberfläche des Tellers nur einen Strohhalm hoch damit bedeckt wird. Darunter mischt man 2 Coffeelöffel voll guten Branntwein, und ein wenig reinen oder sogenannten Jungferhonig. Ueber dieses Getränk werden viele Strohhalme creuzweise gelegt, damit die Bienen darauf treten können, wenn sie sich dessen zu ihrer Kost bedienen. In einen jeden Stock wird ein Teller mit diesem spirituösen Biere gesetzt, und wenn es aufgezehrt ist, frisches aufgetragen. Sie behelfen sich mit einem solchen Teller 3, 4 und mehrere Tage, nach Beschaffenheit der Stärke des Stockes und der Witterung, und befinden sich dabei sehr erwünscht, wie man es denn auch für eine Arzenei der Bienen anzugeben pflegt. Wer die Gelegenheit hat, kann sich der braunschweigischen Mumme dazu bedienen. Es scheint zwar dieses Bier eine berauschende Wirkung zu haben; allein, wo die <4, 703> Erfahrung redet, da mus der Oeconom mit seinen gegenseitigen Gründen schweigen.

Zulezt gedenke ich noch der Brod=Fütterung, wobei die Bienen nicht nur den Winter ganz zuverläßig aushalten und stark verbleiben, sondern auch im Frühjahr zeitig schwärmen sollen. Diese Fütterung ist aus Pohlen und Ungarn nach Sachsen gekommen, woselbst sie nunmehr 2 Jahre nach einander mit Fleiß versucht und gut befunden worden. Nach der Beschreibung des Verfassers des Nachtrags zu den Anmerkungen zur Verbesserung der Bienenzucht in Sachsen. Dreßden 1774, gr. 8. bestehet der ganze Handgriff in Folgendem. Man nimmt gute Weißhefen, gießet rein Wasser darauf, rühret alles wohl durch einander, und läßt die Hefen sich wieder setzen; alsdenn wird das Wasser abgegossen, und so lange damit continuirt, bis die Hefen den größten Theil der Bitterkeit verloren. Hierauf thut man in eine Kanne Hefen 1/2 Pfund Zucker. Alsdenn wird des feinsten Weizenmehls, wie zu Semmeln gebraucht wird, nach Proportion soviel genommen, als man Brode für die hungerigen Bienen nöthig hat. In dieses Mehl wird von den zugerichteten Hefen so viel mit Wasser vermengt gegossen, daß der daraus geknätete Teig genugsam in die Höhe gehet. Denn je höher der Teig gehet, desto lockerer wird er, und desto besser ist selbiger zu diesem Endzweck zu gebrauchen. Aus diesem Teige werden längliche Brode gemacht, welche im Backofen so lange backen müssen, bis die Rinde des Brodes dunckelgelb wird, und das Brod ausgebacken ist. Sobald nun solches erfolget, wird das Brod aus dem Ofen genommen, und, wenn es wegen der Hitze thunlich, mitten von einander geschnitten, und auf die Brosse (Krume) desselben reiner geseimter Honig eingegossen, wobei man auf 2 Pfund Brod 1/2 Kanne Honig rechnet. Der Honig wird sodenn, weil das Brod noch warm ist, selbiges durchziehen, und die ganze Brosse mit Süßigkeit erfüllen. Wenn nun vorgemeldetes Brod überkühlt ist, so wird es im Stock, wo die Bienen im Lager liegen, eingesetzt. Die Bienen schroten alsdenn die ganze Brosse bis auf die Rinde heraus, tragen es ins Gebäude, und leben den ganzen Winter davon. An 6 bis 7 Pfund dergleichen bereitetes Brod, sind hinlänglich, den ärmsten Stock, wenn er noch so volkreich wäre, über Winters zu erhalten. Man kann sich die<4, 704>ser Fütterung sowohl im Frühjahr, als Herbst, und zu allen Zeiten, bedienen. Nur mus man wegen der Raubbienen die gehörige Vorsichtigkeit gebrauchen, und das Brod nicht bei Tage, sondern nach Untergang der Sonnen, zusetzen. Wenn man unter das im Stocke eingesetzte Honigbrod einen Boden macht, so sammlet sich auf demselben dasjenige vom Brod, was den Bienen beim Eintragen ins Gebäude entfällt, welches sie nach und nach, da es nicht weit zu hohlen ist, aussuchen, und vollends ins Gebäude eintragen. Mithin geht nichts verloren, welches aber geschehen würde, wenn die Brosamen auf den Boden des Stocks herunter fallen, und die Bienen es von da herauf tragen sollten. Es ist bei dieser Fütterung sonderbar, daß von denen Bienen dieses Brod, so wie der im Stocke befindliche verstrichene Honig rein aufgezehrt, und auf dem Boden des Stocks eben dergleichen Gemülbe als bei dem verstrichenen Honig, doch ohne Zurücklaßung auch nicht der mindesten Süßigkeit, gefunden wird. Diese vortreffliche Fütterung ist zugleich ein großes Ersparniß, weil man dabei nicht den dritten Theil soviel Honig, als wenn man geseimten oder Blatt=Honig allein füttern wollte, gebraucht. Man hat bemerkt, daß die Bienen, denen dergleichen Brod zu spät eingesetzt worden, so daß sie mit Ausschroten und Eintragen der Brosse nicht haben fertig werden können, ihr Winterlager auf diesem Brod genommen, und nach und nach, wie bei dem im Stocke befindlichen Honig, fort gezehret, und glücklich durch den Winter gekommen sind. Vielen wird diese Art, die Bienen zu füttern, ungereimt fürkommen, weil bekanntermaßen mit Mehl und Hefen die besten Bienen zu Grunde gerichtet werden können. Es ist aber auch dieses nicht weniger gewiß, daß gebackenes Brod mit Hefen eingemacht, nicht dieselbe Wirkung hervorbringt, welche Mehl, in Hefen eingerührt, genossen, nach sich zu ziehen pflegt. Zur Veränderung hat man auch, anstatt Honig, gesottenes Farinzucker=Wasser eingegossen. Das Brod hat bei der Untersuchung dieselbe Farbe und Süßigkeit, als jenes, gehabt, und die Bienen sind eben so begierig darnach, wie nach dem Honigbrod, gewesen.

Die Fütterung der Bienen mus man ja nicht so lange ausschieben, bis es mit einem Bienenstock auf das Aeusserste gekommen ist, und derselbe gar nichts mehr zu leben hat; alsdenn ist alle Mühe und Kosten vergeblich, sondern man füttere, wenn der Stamm noch in guten Umständen sich befindet; man thue hierinn lieber <4, 705> zu viel als zu wenig, und erwarte in der Folge den besten Nutzen davon. Man füttere diejenigen, an deren Auskommen bis ins Frühjahr man nur im geringsten zweifelt, im Herbst, und dieses lieber in starken Portionen, als daß man solches alle Tage wiederhohlen müsse. Sie heben den Ueberfluß sorgfältig in den Roßen auf, und zehren aus demselben viel sparsamer, als aus dem Futterteller. Im Frühjahr füttere man alle seine Stämme, die guten etliche mahl zur Stärkung, die schlechtern so lange, als sie nicht volle Nahrung im Felde haben. Und hier mus man ja nicht karg und nachläßig seyn, weil sonst der Schaden unersetzlich ist. Da die Bienen im Frühjahr viele Brut einschlagen, so bedürfen sie auch viel zu ihrem Unterhalt, und ehe nicht die Aepfelbäume in vollem Flor stehen, haben die Bienen bei uns nicht Nahrung genug auf dem Felde. Kommt die Schwärmzeit herbei, so gebraucht der Korb, wegen der vielen Jungen, mehr Honig als sonst. Und hier ist es besser, alle Abend, als um den andern, zu füttern, es wäre denn daß der Korb honigreich ist. Nur mus zu solcher Zeit nur 1/3 Honig, und 2/3 Wasser genommen werden, weil eine starke Fütterung die Schwärme zum Wegfliegen reizet. Blühet jedoch der Holunder schon, ehe die Schwärme zeitig sind, so füttere man nur sparsam, weil während dieser Blühte die Schwärme eigensinnig sind, und gegen alle sonstige Merkmale nicht leicht abfliegen.

Fast durchgängig geben die Imker ihren Bienen etwas Besonderes in das erste Futter, und mit diesem Futter sind sie sehr geheim. Einige füttern Bärwurzel; Andere, Bibergeil; Andere, das so bekannte Bienenpulver; noch Andere, Urin, u. s. w. Verschiedene halten dafür, daß der Bibergeil denen Bienen einen solchen Geruch gebe, daß die Blume, welche sie einmahl berührt haben, nie von andern Bienen, die diesen Geruch nicht haben, genutzet würde, oder werden könnte. Ein rechtschaffener Bienenwirth aber wünscht nur in so fern von den Bie<4, 706>nen Nutzen, als es ohne Schaden des Dritten geschehen kann. Wozu dient dieses anders, als den Bienen einen besondern Geruch oder Witterung zu geben, vermöge dessen sie die Fremden sogleich unterscheiden, und gestärkt abwehren können! Die Alten haben bei dieser ersten Fütterung eine besondere Verschwiegenheit geboten, damit ein böser Nachbar, bei einer gleichen Fütterung, seine Bienen unter meinem Geruche nicht zu meinem Schaden mißbrauchen könne. Gut ist es allemahl, den Bienen im Frühjahr einen besondern Geruch zu geben; allein nichts weiter, als Leberstock oder Reinfahren, oder Melisse, die man, wiewohl nicht eben bei dem ersten Futter, in die Tröge legen kann. Auch kann man Birkenwasser, mit Caneel abgekocht, den Bienen statt des Wassers unter den Honig geben. Gemeiniglich erhält man 40 Tage nach dieser Fütterung den ersten Schwarm, wenn sonst die Witterung günstig ist.

In der Kälte mus man sich in Acht nehmen, daß die Fütterung nicht vom Frost berührt werde. Man mus sie weder ganz warm, nych ganz kalt, in den Stock setzen, sondern etwas laulich, wie verschlagen Bier. Man mus nicht am Tage bei Sonnenschein, sondern des Abends und bei trübem Wetter füttern. Man mus seine Bienen, wenn man füttern will, versperren und sie solange eingesperrt halten, bis sie das Futter aufgezehrt haben.

Ein Mitglied der patriotischen Gesellschaft in Schlesien, will, nach Anzeige des 11 St. der Oekon. Nachr. gedachter Gesellsch. v. J. 1773, S. 85, f. folgenden Versuch, eine sparsame Fütterung der Bienen im Frühjahr betreffend, einige Jahre hindurch mit vielem Vortheil wiederhohlt haben. Wenn die im Herbst ausgeschnittenen Honigtafeln bei gelindem Feuer zerlaßen, und nachher der reine Honig in ein besonder Gefäß abgegossen worden, so setzt sich oben eine dicke Haut, welche aus Wachs bestehet, in der aber noch viel Honig ist. Diese Haut wird abgenommen, und den Winter über in einem Topf zum künftigen Gebrauch <4, 707> aufgehoben. Trifft es sich nun, daß man im Frühjahr, wenn das Wetter noch rauh ist, die Bienen eingeschlossen halten, und damit sie desto besser Brut einschlagen, füttern mus, so kann, mit leichter Mühe und wenig Kosten, aus der aufbewahrten Wachshaut eine für die Bienen sehr nahrhafte Fütterung daraus zubereitet werden, wenn man darauf so viel heißes Wasser gießet, als zur Anfertigung des süßen oder Honig=Wassers nöthig ist. Dieses Wasser wird alsdenn entweder mit sammt der Haut, die aber wohl zerrührt werden mus, den Bienen vorgesetzt, welche es so rein aussaugen, daß das Wachs wie Streusand im Gefäß zurückbleibt; oder, man drückt die Haut mit den Händen sorgfältig aus, und giebt den Bienen das Wasser allein. Nur mus es in beiden Fällen lau gegeben, und obenauf, wie bei den andern Fütterungen, kurzgeschnitten Stroh gelegt werden.

Einen zur Zeit des Winters von diebischen Händen beraubten Stock, erhielt eben derselbe Bienenwirth auf folgende Art. Er füllte leere Wachstafeln, die er im Herbst aus Vorsorge aufbewahrt hatte, mit Honig, und setzte sie oben an die Stelle der ausgeschnittenen Tafeln, den hintersten leeren Blättern, oder dem sogenannten Nest, worinn die Bienen im Winter ihre Wohnung haben, und welches die Honigräuber zum Glück unzerstört gelaßen hatten, so nahe als nur geschehen konnte. Dieses Verfahren war um deswillen nöthig, weil die Bienen in der Kälte sehr ungern von ihrem Nest sich entfernen, und wenn sie aus Hunger gezwungen werden, ihre Nahrung im Stock weiter zu suchen, für Frost bald erstarren und sterben. Er widerräth daher die gewöhnliche Weise, das Futter in Gefäßen in den Stock zu stellen, und empfiehlt zugleich die jedem Liebhaber der Bienenpflege nöthige Vorsicht, leere Wachstafeln immer bereit zu halten.

F. A. D. Zuverläßige Nachricht, wie die Bienen nicht nur den ganzen Winter hindurch mit gar geringen Kosten erhalten, sondern auch vor allen Krankheiten bewahrt und curirt werden können, st. nebst Anmerk. im 1 und 2 St. des V B. der physik, ökon. Auszüge, Stutg. 1763, 8. S. 254--264. Dieses Mittel bestehet in gemeinem Kochsalz. Man nimmt ein etwa daumendickes und 4 bis 5 Zoll langes Holder=Zweiglein, spalret es just in der Mitte entzwei, thut das Mark aus dem einen, <4, 708> so am besten gerathen, heraus, macht oben und unten von Wachs oder Leimen eine Vorlage, so daß dieses Hölzlein einer kleinen Krippe ähnlich werde, füllet es sodenn mit zart zerriebenem Kochsalz voll an, und setzt es sacht durch das Flug=Loch unten in die Mitte des Bienenkorbes, den langen Weg hinein; oder, man macht ein Häuflein Salz, durch Hülfe eines Messers, spitzvollweise, eben daselbst, von einem Schröpf=Kopf voll im Maaß, auf einander.

M. Gampert Vorschlag, wie in Ermangelung des Honigs die Bienen zu füttern und zu erhalten, st. in No. 55 des Leipz. Int. Bl. a. d. J. 1766, S. 493, f.

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