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Von der jetzigen Bienenwirthschaft in der Wallachei und Moldau, welche an die Waldbienenzucht gränzet.

Oekonomische Encyklopaedie 152

Fig. 152-158

Die Wallachische Art, die Bienen auszuwintern, ist folgende. Es werden im Herbst, wenn keine Weide mehr ist, vom Bienenwärter 6 starke Stämme von Eichenholz in die Erde vergraben, so daß ein jeder 1 Elle Wiener Maaß, über die Erde hervorraget, und einer dem andern parallel stehet. Auf diese Pfähle werden 2 lange und 2 kürzere Queerbalken gelegt, und diese mit Reisern bedeckt, hierauf mit einer Menge von Disteln, einer Elle hoch, überleget. Die Vorstellung eines solchen Bettes, wie es von Distelsträuchern noch nicht bedeckt ist, findet man Fig. 158. s s s ist der innere Raum, darauf die Disteln, und auf diese Bienenstöcke gestellt werden; o o o o o o die 6 eichenen starken Pfähle, die tief in der Erde stecken; t t die 2 langen starken Queer=Balken; r r, die 2 kürzern. Die Entfernung von der Erde, ist für den Schimmel; und die Disteln, für die Mäuse im Felde.

Es werden die Bienenstöcke schichtenweise auf die Disteln gestellet, und mit Heu zugeschlagen; und wenn eine Schicht zugeschlagen ist, so wird die zweite gesetzt, bis der Heuschober seine gehörige Spitze und Höhe hat. In diesem bleiben sie den Winter, und erhalten sich überaus gut; sie sind für den Schimmel sicher, denn sie stehen hoch und im Grummet, welches die Feuchtigkeit an sich ziehet; sie sind für den Mäusen sicher, welche sich durch so viele Disteln nicht leicht durcharbeiten; und an Luft fehlt es ihnen eben so wenig, wie an der Wärme im Heu. Unter dieser Zeit, da die Bienen schlafen, ist der Wirth beschäftigt, sich aus den Wäldern die schönsten Lindenstämme hohlen zu laßen, und dieselben in Klötze von einer Elle sägen zu laßen. Siehe Fig. 154. b ist das Flugloch. Es giebt in diesen Provinzen eine Menge dergleichen Bäume. Kommt der Frühling, oder vielmehr warmes Wetter, so werden die Stöcke aus ihrer Heuwohnung genommen, und auf die freie Erde gestellet. Man leget auf jeden Stock einen breiten Stein, a a, der einigermaßen das Regenwasser ableitet; ferner macht man von Dörnersträuchern ein Gehege um seine Stöcke, gräbt ein Loch in die Erde, setzet von jungen Stämmen einen Dachstuhl über dasselbe, und bedecket dieses mit Reisern, und die Reiser mit abgestochenen Rasen. Dieses ist die Hütte des Wärters, der mehrentheils ein alter graubärtiger Mann ist, und den ganzen Sommer hindurch sich mit nichts anders beschäftiget, als die Klötze auszuhöhlen, und die Schwärme zu fassen.

Die Klötze werden folgendergestallt ausgehöhlt. Der Bienenwärter bohrt mit einem langen Bohrer von beiden Seiten den Kern des Holzes durch. Drei solchergestallt ausgebohrte Klötze stellet er auf einander, und macht unter den untersten Feuer, so daß sich dieses in alle drei ziehet. Ist der unterste Klotz etwas angebrannt, so ziehet er mit einem krummgebogenen Messer die Kohlen oder das Schwarze heraus, und höhlet also nach und nach den Klotz aus. Alsdenn macht er auch einen Deckel, der rund ist, und auf die obere Oeffnung des Klozzes passet; siehe PfeiliconFig. 155. c c sind Zapfen in Form der Schwalbenschwänze, die in die Einschnitte a a passen, und bevestigt werden; sie ragen etwas über den Klotz hervor, um den Stein, der hernach darauf gelegt wird, besser zu tragen. Inwendig macht er ein paar Queerhölzer, damit die Honigkuchen darauf ruhen können. Schwärmen nun die Bienen, so werden sie in diese Klötze gefasset.

Da man in der Wallachei den Diebstahl der Bienen hart bestrafet, und aus Vorurtheil die Bienen als eine heilige Sache ansiehet, so hört man daselbst sehr wenig von dergleichen unerlaubten Mitteln, die in andern Ländern oft gebraucht werden. Und da es dem Bienenwirth frei stehet, mit seinen Bienen zu wandern, wohin er will, ohne daß die Grundherrschaft ihm einige Hindernisse sezzen darf, so ist es kein Wunder, daß ihre Bienenwirthschaft so vortheilhaft ist.

In der Hälfte des Julius werden alle Stöcke, wenn das Jahr nicht eine zu üble Aussicht hat, aus ihren Wohnungen ausgetrieben. Man reißet nehmlich den Deckel vom Stocke ab, setzt ein leeres Behältnis darüber, treibet durch Rauch und Trommeln die Bienen in den obern leeren Theil, und nimmt sodenn alles, was an Tafeln im Stock ist, heraus. Der Honig wird in ein besonderes Gefäß geworfen, und die Tafeln mit der Brut in eine andere Tonne. Beides Werk wird ausgepresset; der Honig wird an die Türken verkauft, die ihn recht gut bezahlen, und der Saft von der jungen Brut an die Sonne gesetzet. In kurzer Zeit wird der beste Essig daraus. Die ausgetrommelten Bienen werden nun wieder in ihr voriges Behältnis zurück getrieben, und bei mittelmäßigen Jahren arbeitet der Stock noch voll, und ist der Gefahr ausgesetzt, von seinem Herrn im November gar eingestoßen zu werden. Seinen Ausstand im Herbst in der dreifachen Zahl zu sehen, hält man für ein schlechtes Jahr; in der zehnten, für ein mittelmäßiges; und wenn man von 10 Stöcken Ausständern im Herbst 100 hat, so sagt man, es ist ein gutes Bienenjahr gewesen. Kurz, wenn ein Bienenwirth, der 100 Ausständer hat, im Herbst nicht 100 einsetzen, und von den übrigen für 500 Piaster Honig und Wachs verkaufen kann, so ist er unzufrieden.

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