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1. Von den Vorzügen und Vortheilen der Wald=Bienenzucht vor der Gartenbienenzucht.

Zuvörderst lehret die Erfahrung, daß die Bienen in Wäldern meistentheils mehr Honig, und nach Beschaffenheit dessen, auch mehr Wachs, bringen, als die zahmen oder Garten=Bienen. Es giebt zwar auch Jahre, da die Heidebienen Noth leiden, welches in nassen Jahren und kalten Herbsten geschiehet, wenn der Regen die Blühten des Heidekrauts gleichsam ersäuft, oder dieselben zeitig erfrieren; allein die Land= und Garten=Bienen leiden zu der Zeit dennoch weit mehr Noth, als jene. Die Zeidler versichern durchgängig, daß ihnen 3 gangbare Beuten im Walde allemahl mehr Ausbeute brächten, als 4 in den Gärten; denn fast alle Zeidler haben auch zu Hause ihre Stöcke, und können also den Unterscheid gut wissen. Die Ursachen davon sind leicht zu finden. Denn

1) liebt die Biene gewissermaßen die Freiheit, oder, eigentlich zu sagen, die Wildheit. Das Sächsische Weichbild nennt daher nicht ohne allen Grund die Bienen einen wilden Wurm. Man kann sich von dieser ihrer Eigenschaft jährlich beim Schwärmen überzeugen. Auch selbst im Garten lieben sie das Ungezwungene, Einsame und Freie, und laßen sich nie recht zahm machen. Im Walde lebt also die Biene gleichsam in ihrem Element, in der größten Freiheit und Einsamkeit, die gar sehr an die Wildheit gränzet.

2) Die Biene kann in dieser ihrer Einsamkeit und Freiheit mit weit größerer Lust und ungestöhrter arbeiten. Viele Bienenstände in Dörfern sind, wegen Mangel des Raums, so gestellt, daß Menschen, Pferde und Kühe des Tages oft vorüber gehen, oft einen unerträglichen Staub erregen, und sie in ihrem Fluge stöhren; doch gesetzt, sie ließen sich dies nicht sonderlich stöhren, so sind sie doch in den Waldungen für den reißenden Sturmwinden weit mehr gedeckt, als in den Dörfern. Niedrige Bauerhütten können sie für diesem Uebel niemahls recht beschützen; und folglich wirft ein starker Wind viele beladene Bienen zu Boden, die, ehe sie sie sich wieder erheben können, alsdenn zertreten, oder von den Fröschen und Kröten gefressen werden. Alles das hat die Waldbiene nicht zu erfahren. Erhebt sich ein Sturmwind, so kann sie unter dem Schutze der hohen starken Bäume sicher wieder nach Hause kommen. Hierzu kommt nun,

3) daß sie im Walde weit weniger Feinde hat, die ihren Untergang befördern. Hornisse und Wespen sind weit seltener in Heiden, denn sie halten sich mehrentheils bei den Dörfern, wo sie gebohren werden, in hohlen Bäumen, hohlen Mauern, Dächern etc. auf, wo sie den Winter über gesteckt haben. Sie sind jedoch stärker und gefährlicher. Im 7ten Absch. werde mit mehrern davon handeln. 4) Sie haben da zwar weniger Wachs= und Honig=tragende Blühten und Bäume, als im Gefilde; allein, sie haben die wenigen in desto größerer Menge, in einem größern Raume, und in der Nähe. Ueber diesen wichtigen Umstand, was den Raum anbelangt, hat sich Herr Past. Wilhelmi, in seinen Gedanken über die Vortheile der Bienenzucht in den Heiden, welche im I Bande der gemeinnütz. Arbeiten der Oberlausitz. Bienengesellsch. Berl. und Leipz. 1773, gr. 8. S. 183--190, desgl. in Schirachs Waldbienenzucht, S. 133--138, befindlich sind, sehr gründlich ausgedrückt. Er zeiget daselbst, daß sich die beiden Nutzungen, die im Gefilde und im Walde, in Ansehung des Raums zu einander vorhalten, wie 1/5 zu 2/3 ; d. i. wie 3 zu 10. Er sagt:

„ Wenn also im Gefilde 3 Stöcke gehalten werden können, so können in der Heide 10 auskommen; und wenn auf eine deutsche Quadratmeile im Gefilde 100 Stöcke gerechnet werden, so kommen auf eine Quadratmeile in der Heide über 300 derselben etc. ”

Ich setze voraus, daß man die Waldbienenzucht nicht in ganz öden, und von allen Arten guter wilder Bäume entblößten Wäldern anstellet, so wird man da immer eine große Menge theils Vorwachs=(Propolis), theils Wachs=theils Honig=gebende Bäume und Kräuter antreffen. Der Faulbaum, (das Schießbeerholz, Pulverholz, Rhamnus, Frangula) wächst in den Buchten, zwar nicht selbst im Walde drinnen, sondern mehrentheils dicht am Walde, wo es etwas sumpfig ist. Sobald dieser zu blühen anfängt, so ist dies die glückliche Periode, in der sich die Honignahrung anfängt; und wo dieser in der Nähe ist, da ist die Waldbienenzucht vorzüglich anzulegen. Fichtene Wälder, oder wo die Fichte neben der Kiefer wächst, sind so recht die elysaischen Felder der Bienen. Dieser Baum schwitzt zwischen dem zweijährigen jungen Wuchse im Frühjahr den allerfeinsten Honig in vollem Maaße.

Die Gartenbienen, die zunächst an dergleichen Fichtenwäldern stehen, gedeihen allemahl besser, als die auf dem platten Lande. Die Espe, der weiße, und der schwarze Pappelbaum, blühen sehr zeitig im Frühjahr, und geben den Bienen Wachs, besonders aber Vorwachs, zur Nahrung. Die Rüster, deren Blühte theils im März, theils im April aufbricht, hat man lange Zeit für die Bienen schädlich gehalten, weil ihr Saft etwas schleimig und zusammenziehend oder stopfend ist; in der Folge der Zeit aber hat man das Gegentheil bemerkt. Den Blumen des spitzblätterigen Ahorn (Acer platanoides), welche sehr zeitig aufbrechen und einen starken Milchsaft haben, ziehen die Bienen im Frühling in erstaunlicher Menge nach, und es geben dieselben Wachs und Honig. Der Sandwerft (Salix aurita), und Salix arenatia, sind diejenigen Ar<4, 422>ten von Weiden, welche zuweilen in den nassen Gegenden eines Waldes gefunden werden, welche beide sehr früh blühen, und an deren wohlriechenden Blumenzapfen die Bienen im Frühjahr sich erquicken. Die Blumen der Esche zeigen sich noch vor dem Ausbruch des Laubes. Dem weißen oder Berg=Ahorn (Acer Pseudoplatanus), welcher im April und Mai bluhet, wiederfährt bei warmer Witterung das Schicksal, daß ein Theil seiner Blumen mit einem süßen Safte überzogen wird, wo sich das Ungeziefer einnistet, und den Bienen ihre Nahrung raubet. Manche glauben, daß alsdenn dieser verdorbene Saft den Bienen schädlich sey. Bei der Kiefer (Kienbaum) enthalten die harzigten Ausflüsse anfänglich etwas Honig, der aber ganz braun ist. Wenn er dicker oder zäher wird, so sammeln sie alsdenn hier ihr Vorwachs.

Zu den nützlichen Kräutern für die Wald=Bienen, gehören: der Kellerhals, (Seidelbast, Daphne Mezereum), das Scharbackskraut, die Waldküchenschelle mit Eppichblättern, der Löwenzahn (Taraxacum), die wilde rauhe Märzviole, das kleine frühzeitige Fünffingerkraut (Potentilla verna), der wilde Stachelbeerstrauch, die rothe Waldwicken (Orobus vernus), Großnelken (Stellaria holostea), der Heidelbeerstrauch (Myrtillus), der Preißelbeer=Strauch (Vitis idaea), blauer Steingünsel, das Erdbeerkraut (rothe Besinge), der Post (wilde Rosmarin, Ledum palustre), die wilde Salbei, Mauseöhrlein (Hieracium), gülden Lungenkraut, Schwalbenwurz (Asclepias), Erdspinnenkraut, kleine Steinbeere, der große Brombeerstrauch, großer brauner Bergklee, Waldnessel, Bergehrenpreis, gemeiner großer und kleiner Feldkümmel, brauner Weiderich, Waldfingerhut, braune Doste (Origanum), Teufelsabbiß, steigender Nachtschatten, und das Heidekraut (Erica). Endlich gehört auch unter die Vorzüge, welche die Waldbienen vor den zahmen haben, der Bau des Buchweizens. Alle diese Nutzungen haben die Waldbienen in der Nähe=Sie stehen um sie herum, und sie darf nur ihr Haus verlaßen, so findet sie ihren gedeckten vollen Tisch für sich; da hingegen die zahmen Bienen, wenn eine Art der Nutzung vorbei ist, z. E. die Linde, so müssen sie in den Getraidefeldern die Kornblumen, oder den weißen Klee etc. aufsuchen. Im Herbste müssen sie auf den Rübenfeldern den Hederich hier und da aufsuchen, da hingegen das Heidekrant in der größten Menge um sie herum, oder in der Nähe, stehet.

Unter eine Art von Vortheilen ist auch dieses zu zählen, daß man daselbst eines besondern Bienengartens und Bienenhauses entübrigt seyn kann; denn der ganze Wald, soweit gangbare Beuten sind, ist ein Bienen=Garten. Nannte doch Kaiser Carl IV. die beiden Nürnberger Wälder zu St. Sebald und St. Laurenz, seinen und des heil. Röm. Reichs Bienengarten; und so kann eine Grundherrschaft, die einen ansehnlichen Wald besitzt, und so glücklich ist, eine gedeihliche Waldbienen=Zucht anzulegen, ihren großen Wald einen wilden Bienengarten nennen.

Einige wollen behaupten: die Waldbienenzucht bedürfe keiner so weitläuftigen Wartung; und wollen dieses unter die Vorzüge zählen; allein die Zeidler würdigen die häuslichen und waldigen einerlei Wartung. Das einzige nehme ich aus, daß sie des verdrüßlichen Hütens, Wachens und Einfassens der Schwärme, welches bei der Gartenbienenzucht viel Zeit raubet, überhoben seyn können; hingegen müssen sie die Beuten, in welche die Schwärme ziehen sollen, 4 Wochen oder 14 Tage vorher schminken, und alles wohl zubereiten. Es fügt sich auch oft, daß ihre Schwärme Mine machen, sich nicht in ihrem Antheile anzulegen, da sie denn, wenn sie eben darzu kommen, solche ebenfalls wie andere Schwärme fassen, und in ihre Beuten jagen.

Aus diesem allen folget, daß die Waldbienenzucht viele Vorzüge und Vortheile vor der zahmen Bienenzucht habe; und die Vermuthung ist nicht ungegründet, daß die ersten Bienen aus dem Walde in die Gärten sind gebracht worden, so daß ihr altes Vaterland wirklich der Wald, der Garten aber am Hause nach und nach ein neues Staatsgefängnis für sie geworden.

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