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4. Von den Kennzeichen guter Bienenstöcke zum An= oder Verkaufe, und von den Mitteln, solche bequem fortzuschaffen.

Wenn man sich mit der Bienenzucht beschäftigen will, so thut man am besten, wenn man zum Anfange sich nicht nur Einen, sondern wenigstens ein Paar Stöcke anschaffet, damit man desto eher damit zur Anlage komme. Es heißt im Sprüchwort: Ein Stock, kein Stock; indessen mus man auch darinn Maaß und Ziel halten, daß man nicht mehr anschaffe, als man gehörig abwarten kann. Denn die Bienenzucht mus mit der übrigen Landwirthschaft nicht nur wohl verbunden, sondern auch so beschaffen seyn, daß die Stöcke, in Ansehung der Nahrung, erhalten werden können; und da kommt es viel darauf an, wie die Gegend in der Fruchtbarkeit, Gewächse und Lage beschaffen ist. Ausserdem mus man aber auch zugleich auf die Anzahl dererjenigen Stöcke seine Rücksicht nehmen, welche im Umfange von einer halben Meile, (als soweit mehrentheils die Bienen fliegen,) von andern Leuten gehalten werden; denn, wenn in einer Gegend schon so viele Bienen wären, da sie so kaum Nahrung genug hätten, so würde daselbst nicht viel Nutzen geschaffet werden.

Die beste Zeit, Bienen zu kaufen, ist das Frühjahr. Eigentlich zu reden, ist es allezeit gut, wenn man nur Kenntnis genug besitzt, und vorsichtig dabei zu Werke gehet. Kauft man im Frühjahr, da die Bienen bereits gesaubert und ausgeflogen sind, so hat man hauptsächlich dahin zu sehen, daß die Stöcke volkreich, nicht=beschnitten, und daher wichtig, und in nicht gar alten schwarzen Roßen seyn.

Die Menge des Volks erkennet man bei schönem Wetter an ihrem fleißigen Eintragen; um andere Zeit aber an dem starken Summen, das man durch Anhalten des Ohres und sanftes Klopfen erforschet. Man giebt des Abends einen Schlag mit den zwei mittelsten Fingern gegen den Stock. Wenn dieser Schlag einen unterschiedenen Laut in 2 oder 3 Zeiten hervorbringt, der einige Augenblicke fortdauert, so ist es ein Zeichen der Menge. Wenn er nur einen kurzen Laut hervorbringt, der sich bald stillet, so ist er ein Merkmahl, daß wenig Bienen im Stocke sind. Noch ein gewisses Zeichen von der Menge der Bienen in einem Stocke ist dieses. Man hebet den Stock, den man kaufen oder verkaufen will, nur 2 Zoll in die Höhe. Ist der Platz, den der Stock bedeckte, reinlich, und entdecket man daselbst weder Unflath, noch todte Bienen: so kann man ihn als gut ansehen. Ist im Gegentheil dieser Platz nicht rein, so mache man keine große Rechnung auf dergleichen Stock. Denn, sind der Bienen sehr wenig, so ist es fast nothwendig, daß sie faul seyn müssen. Die Sorge und Reinlichkeit ihrer Stöcke liegt ihnen wenig am Herzen, oder übersteigt doch wenigstens ihre Kräfte. Bienen hingegen, die zahlreich, und in einer großen Gesellschaft beisammen sind, befinden sich in einem Zustande, der ihnen mehr natürlich ist; sie müssen hurtiger, wachsamer, und auf die Reinlichkeit ihrer Stöcke aufmerksamer seyn. Sie können, ohne Ueberlast, alle Amtsverrichtungen ihrer Republick genauer ausüben und erfüllen. Nur gilt das Aufheben der Stöcke nicht, in Ansehung der Brett= und Klotz=Beuten; sondern alsdenn bedienet man sich, wie ich nachher zeigen werde, der Honig=Visirer.

Das Gewicht oder die Schwere eines Stocks erforschet man durch das freie Aufheben mit beiden Händen. Ein Stamm Bienen, von dem man Vergnügen und Nutzen haben will, mus wenigstens 30 Pfund schwer seyn. Jedoch mus man, in Ansehung der Schwere eines Bienenstockes, zum Theil auf die Zeit Achtung geben, da man solche Schwere erforschet. Im Sommer, bis nach Bartholomäi, findet sich viele Brut im Stock, welche denselben schwer machet, da er doch leicht an Honig seyn kann. Im ersten Frühling, zu Ende des Monaths April, ehe die Königinn Brut eingesetzt hat, da die Bienen vielen Honig verzehrt haben, ist ein Stamm nicht so schwer, und es ist auch nicht so nöthig, weil er nach weniger Zeit wieder Nahrung einsammeln kann. Zu einem Schwarm in Strohkörben werden alsdenn nur 20 bis 24 Pfund erfordert. Hiernächst mus man dabei auch auf das Alter eines solchen Bienen=Stammes sehen. Ein alter Stamm, darinnen viele Brut ausgelaufen, welche oft ihre Häutchen in den Roßen abgelegt hat, ja, darinnen wohl hin und her erstorbene Brut, altes verdorbenes sogenanntes Bienen=Brod, und anderer Unrath sich befindet, ein solcher alter Stamm scheint schwer zu seyn, da er doch an Honig und Volk in schlechten Umständen sich befinden kann. Ist aber ein Stamm noch jung, so wird seine Schwere durch den darinn befindlichen Honig verursachet.

Die Jugend eines Stocks erkennet man aus seinem Getäfel. Ist dieses schwarz, sind die Zellen eng: so ist der Stamm alt, und die oft ausgelaufene Brut hat durch ihre zurückgelaßene Häutchen die Zellen verenget. Sehen aber die Roßen weiß, oder gelblich, oder durchsichtig aus, und bemerket man dieses nicht bloß unten an den Enden der Roßen, sondern den Stock hinauf, so weit man sehen kann: so ist dieses ein sicheres Kennzeichen, daß der Bienenstamm noch jung, und über ein bis zwey Jahr nicht alt ist; und dieses bis in das dritte oder vierte Jahr ist das beßte Alter der Bienen, die man zu seiner Zucht erwählen will.

Der Sommer ist eine unschickliche Zeit zum Einkauf der Bienen, weil die Hitze der Witterung das Wachs alsdenn weich macht, und die Tafeln dadurch dem Zerbrechen ausgesetzt werden, wenn sie nicht wohl bevestigt sind. Da auch der Honig alsdenn dünner, als sonst, ist, so flüßet er desto leichter aus den Zellen; welches denn einen doppelten Schaden nach sich ziehet, nehmlich den Verlust des Honigs, und die Beschmierung der Bienen, wodurch viele derselben zu Grunde gehen können. Kaufet man jedoch mitten im Sommer junge Schwärme, so ist deren Stärke vorzüglich durch das Eröffnen des Stockes, und ihr fleißiges Eintragen zu erforschen. Auf das Gewicht darf man, bereits erwähntermaßen, um diese Zeit gar nicht gehen, denn die Brut wiegt mehr, als der Honig, welche im September abnimmt; nur mus man sich hüten, solche Schwärme zu kausen, welche erst am Ende des Junius gefaßt oder abgelegt worden, denn diese gerathen nur in den allerfruchtbarsten Jahren, und sind in einem schlechten Nachsommer vielem Verluste unterworfen. Man handelt sicherer, wenn man dergleichen Schwärme erst nach dem Ende des Septembers kaufet, um welche Zeit sie über 32 Pfund wiegen müssen; ich rede aber von Körben, welche weder mit vielen Lehm beschmiert sind, noch ein allzugroßes Brett haben. Sollte man wissen, wieviel Korb und Brett wiegen: so sind meistentheils zur Winternahrung 22 bis 26 Pfund für einen volkreichen Stock erforderlich, je nachdem ein gelinder oder kalter Winter erfolgt.

Es wäre auch nicht unschicklich, zur Schwarmzeit junge Schwärme, ehe sie noch eingefasset worden sind, zu kaufen. Wenn nur diese Schwärme stark sind, und viele Bienen haben; wenn sie zu einer Zeit sich zeigen, da man die gegründete Hoffnung haben kann, daß sie hinlänglich auf den Winter einsammeln können: so wird man daran besser kaufen, als an bereits aufgestellten Bienen. Hier wird man oft angeführt; man bekommt alte, nur unten erneuerte, Stämme für junge; man mus sich gefallen laßen, wenn sie in den schlechtesten unschicklichsten Körben sich finden; sie sind oft weisellos, oder haben eine kranke Königinn, welches man aber im späten Herbst und Winter, wo doch am meisten die Bienen gekauft werden, nicht bemerken kann; sie bringen oft ihre Feinde, die Motten, mit, ohne daß man solches wahrnehmen kann. Junge Schwärme hingegen kann man nach Gefallen, und wie man solches für zuträglich erkennet, fassen, und hernach in gehöriger Ordnung behandeln. Auch bekommt man dieselben wohlfeiler, als die bereits aufgestellten Stöcke. Nur Schade, daß solche Schwärme schwer zu bekommen sind, indem Bienenbesitzer ungern junge starke Schwärme, die ganze Hoffnung ihrer Bienenzucht, hergeben. Hat man aber Gelegenheit, einen ersten und starken Schwarm zu kaufen, so wird man wohl thun, wenn man ihn bis auf den Herbst in eben demselben Garten läßt; ist aber diese Erlaubnis nicht zu erlangen, so kann man ihn auch, wenn die Bienen in den Stock gebracht sind, des Nachts aus selbigem hinweg schaffen.

Im Herbst kauft man, aus vielen Ursachen, sicherer und wohlfeiler, als im Frühjahr und Sommer, wenn man auch gleich den Stock theurer bezahlen mus; denn, ein neu eingefaßter Schwarm verläßt öfters, zu Zeiten noch nach einigen Tagen und unversehends, seinen Stock, und geht davon, da man im Gegentheil im Herbste dieses nicht zu besorgen hat; ohne zu gedenken, daß widrige Witterungen die beßten Stöcke zurücksetzen. Nur sehe man dabei hauptsächlich dahin, daß man von solchen Leuten Bienen kaufe, die ihre Stöcke rein halten. Bienen, welche ganz nahe an Mühlen stehen, pflegen insgemein selten von langer Dauer zu seyn. Theils treibt der Wind oftmahlen Mehlstaub zu den Fluglöchern hinein; theils sind die Leute so unachtsam, und stellen die leeren Körbe in die Mühle, so daß ein solcher Korb nicht mehr ganz rein zu bringen ist, und dergleichen darein gefaßte Schwärme, wenn sie auch noch so wichtig sind, schon im andern, und noch so guten, Jahre, und bei aller Wissenschaft, durch Faulbrut eingehen.

Wie man im Winter Gewicht und Munterkeit sicher erfahren kann, ohne die Stöcke aufzuheben, oder mit Honig=Visirern einzustechen, noch auch an sie zu klopfen; dieses ist noch nicht sehr bekannt. Weil man aber doch zuweilen im Winter gute Gelegenheit zu kaufen hat, so ist solches höchstnöthig zu wissen, besonders, da der Verkäufer nicht allemahl seine Stöcke beunruhigen läßt. Folgendes Verfahren ist das Geheimnis eines gewissen Bienenfreundes gewesen, und Hr. Riem versichert, es als untrüglich gefunden zu haben. Man bläset nach der Reihe in alle Söcke ein= oder zweimahl behend zu dem Flugloche hinein. Nach einer kleinen Entfernung wird man sehen, ob Bienen am Flugloche erscheinen. Welche sich nun am geschwindesten und zahlreichsten zeigen, die kann man wählen, und man wird nach der Hand finden, daß man die wichtigsten, und dabei solche gewählt hat, die gute Roßen und guten Honig haben; diejenigen aber, die langsam, wenig, oder gar nicht nach solcher Beunruhigung hervorkommen, taugen nichts, wenn gleich die Stöcke schwer sind; sie haben entweder körnigten Honig, oder wenig Volk.

Wenn man sich Bienen beim Anfange des Frühlings anschafft, so liegt nichts daran, man möge sie in der Weite, oder auch von seinem nächsten Nachbar kaufen, wenn sie nur noch in ihrer Erstarrung liegen, und noch nicht sehr ausgeflogen sind. Denn, sobald die Biene das erste mahl an einem fremden Orte ausfliegt, so wird sie nie geradezu fliegen, sondern, sie wird sich bogenweise um den Stock herum drehen, und sich dadurch die Gegend und alle Merkmahle genau besehen. Hier hat sie nun eine so große Einbildungskraft, daß sie ihren Rückweg flugs das erstemahl trifft. Ist sie also bereits einen halben Monath geflogen, so ist es gefahrlich, ja fast gar unmoglich, vom nächsten Nachbar Bienen zu kaufen; denn sie fliegen an den vorigen Ort ihrer Wohnung. Daher macht man auch auf die Art die Ableger, wovon ich im 6ten Abschnitt handeln werde.

Uebrigens ist das Landvolk in keinem Stücke abergläubischer, als bei den Bienen. Man hört bei deren Kaufe von vielen wunderlichen Dingen, so man ausdrücklich beobachten müsse, wenn sie einem stehen sollen. Man soll sich z. E. keine abgestorbene Bienen kaufen; man soll beim Handeln den Verkäufer nicht allzusehr drücken, sondern ihm geben, was er fordere; man solle niemanden zum Verkauf zwingen oder überreden; man soll überhaupt ohne alle List und Betrug die Bienen theils verkaufen, theils kaufen; jedem Menschen stünden die Bienen auch nicht etc. Es wäre aber zu wünschen, daß solche Abergläubische sich eines Bessern belehren ließen. Daß Bienen wirklich ominöse Thiere seyn, ist nicht zu läugnen, man mus aber das Ominöse nicht bis zum Aberglauben kommen laßen.

  • J. A. O. Abhandlung von guten und bösen Vorhersagungen, so die Alten von den Bienen genommen; st. im 55 St. der Hannov. nützl. Samml. v. J. 1756[1]

So ist es auch mit dem Kaufe der Bienen. Wenn der der alte fleißige Bienenwirth gestorben ist, so gehen seine Bienen oft darum ein, weil die Kinder selten in der Wartung so treulich sind, als die Väter. Man laße sich also nichts hindern, abgestorbene Bienen zu kaufen. Und das übrige ist eine himmelklare Wahrheit, daß man durch List, durch Betrug, durch Abdringen, durch vieles Ueberreden, sich gewiß keinen Seegen erkaufen wird.

Will man in der Nachbarschaft Bienen kaufen, so gehe man zur Sommerszeit hin, und fehe denen, die feil stehen, dann und wann zu, ob sie starke Wachten haben, ob sie haufenweise aussliegen, ob sie hurtig wiederkommen, ob sie sonst munter sind etc. Gehet das aber nicht an, und man kauft sie auswerts und im Winter, so nimmt man sich seinen Honig=Visirer mit, welcher nichts anders, als ein langes Spießchen von starkem Drath ist, worein man sich gewisse Zeichen eingefeilt hat, welche ungefähr die Kannen Honig anzeigen. Diese Zeichen, wie weit sie stehen sollen, kann man nicht bestimmen, weil die Stöcke nicht von einerlei Weite sind. Mit diesem sticht man behutsam in das Gewirke, und erfährt alsdenn, nachdem man den Drath wenig oder viel an der Spitze mit Honig befleckt befindet, wieviel Kannen oder Pfunde im Stock sind. Dieses Visirers bedient man sich öfters auch im Sommer, sticht damit zwischen die Ritzen der Beuten=Bretter hinein, und ersiehet daraus, wie tief und reichlich sie Wachs und Honig angebauet haben. Den Visirer steckt man alsdenn ein paar Minuten zum Flugloch hinein, da ihn die Bienen sofort wieder zu säubern pflegen.

Es ist eine Hauptregel, daß derjenige, der sich Bienen zulegen will, dieselben aus solchen Gegenden kaufe, die dürrer sind, als diejenige, wo man sie hinführen will. Sobald die Bienen merken, daß sie an bequemere Orte kommen, als sie zuvor gewesen, so nähren und mehren sie sich gewaltiglich. Kann man sie aber anders nicht, als aus fruchtbaren Gegenden bekommen, so mus man, in dem ersten Jahr, Erbsen, Bohnen, Mohn, Melissen, Fenchel etc. so nahe als möglich um ihren Stand säen und pflanzen, und ihnen dadurch helfen.

Hierauf hat demnach ein Bienenfreund bei Anschaffung der Bienen zu sehen. Kann er volkreiche, junge und schwere Stämme bekommen; Bienen, die sich durch vorheriges Schwärmen nicht verderbt, und wohl noch gar keinen Schwarm gegeben haben; junge Stöcke, die ein gänzlich vollgebautes Haus, oder wohl zugleich einen Untersatz, haben; Stämme, deren guten Flug man den Sommer hindurch bemerkt hat, und von welchen man versichert ist, daß sie zu rechter Zeit ihre Drohnen ausgetrieben haben: so wird ihm dieses den erwünschtesten Erfolg auf seine ganze Bienenzucht geben. Sollte man aber bereits gezeidelte und beschnittene kaufen wollen, so mus man zusehen, ob ihnen Honig genug gelaßen ist, und sie nicht allzusehr beschnitten worden sind; denn, wenn ein neuer Anfänger füttern soll, so ist das beschwerlich, und kostet auch Geld. Ueberhaupt rathe ich, daß man etliche Thaler nicht ansehe, und lieber unbeschnittene wohlversehene Stöcke sich anschaffe.

Wo ordentlicher Handel getrieben wird, pflegt der Verkäufer dem Käufer für die Bienen zu stehen, bis die Blühte der Aepfelbäume ausgeschlagen.

Man kann zwar zu jeder Zeit Bienen kaufen, aber sie nicht zu jeder Zeit fortschaffen. Sie laßen sich nicht besser, als zu Ende des Winters, transportiren. Man mus dabei die Vorsicht gebrauchen, die Stöcke unmittelbar nach geschlossenem Kaufe zu wiegen, und zu versiegeln, damit sie niemand verwechseln, oder in der Zwischenzeit zwischen dem Kauf und der Fortschaffung, dieselben ihres Vorraths berauben möge. Um aber allen betrüglichen Kunstgriffen und aller unangenehmen Untersuchung zuvor zu kommen, ist es besser, wenn man sie alsobald nach dem Kaufe wegnimmt. Wenn die Bienen die schlimmste Jahrszeit überstanden haben, so kann man leicht von ihrer Beschaffenheit urtheilen, und sichere Muthmaßungen über ihre Arbeit und über ihren Ertrag machen. Zudem bringt sie die Reise in Bewegung, wecket sie auf, setzet sie aus der Betäubung, und giebt ihnen Appetit. Es ist daher höchstnöthig, daß sie sich bei ihrer Ankunft in das Feld ausbreiten können, um ihre Nahrung daselbst zu suchen, welches sie nicht eher, als bei dem Anfange des Frühlings, wagen dürfen. Wenn man sie ein wenig eher fortschaffet, so setzt man sie in die Nothwendigkeit, ihren übrigen Vorrath in Kurzem zu verzehren, und man wird sie so lange ernähren müssen, bis es wieder schön Wetter wird.

Bei dem Fortschaffen der Bienen, verstopfet man die Ritzen der Bienenstöcke, nicht mit Lehm, sondern mit Werg, welches die Luft hindurch, keine Bienen aber heraus läßt. Man stecket ein durchlöchert Blech vor die Fluglöcher; hat man aber eine Scheibe daran, so ist dieses nicht nöthig; denn Luft müssen sie genug haben, weil sie sonst leicht ersticken, indem sie durch das Schütteln rege gemacht sind. Alsdenn kehret man den Stock dergestallt um, daß die untersten Spitzen der Tafeln aufwerts zu stehen kommen, damit die Last des Honigs hinunter gesenket werde, und sie also nicht abfallen. Man ladet sie auf Wagen, Karren oder Tragen. Die Trage ist die beste Art. Man darf nur das Flug=Loch vermachen, den untersten breiten Theil des Korbes nach oben kehren, und ein leinen Tuch darüber binden.

In dem Wagen mus viel Stroh untergelegt seyn. Man kann sie auch mit Ketten anhängen. Die Scheiben müssen dabei nicht in der Platte, sondern die Ecken dererselben nach den Wagenleitern gerichtet werden, indem sonst, wenn der Wagen in Schlaglöcher stößt, die Scheiben an einander schlagen, und alsdenn Honig und Bienen zu einem Brei werden. Will man sie aber mit Schubkarren fahren laßen, so umwindet man das Rädlein mit Stroh, damit es leise gehe. Bei tiefem Schnee können sie im Winter auf den Schlitten sanft fortgefahren werden. Ueberhaupt mus man sie behutsam, ohne sie viel zu rütteln, fortschaffen. Wenn es etwas warm ist, mus solches bei der Nacht geschehen.

Wenn man die erkauften Stöcke an Ort und Stelle gebracht hat, so pflegt man selbige paarweise auf eine geraumige Bank, aber ja nicht zu nahe, beisammen zu stellen, indem die Erfahrung lehret, daß auch die Königinn öfters mit hervorgehet, und sich verirret, mithin leichtlich getödtet werden kann, wenn sie dem Nachbar zu nahe kommt, da alsdenn der ganze Schwarm verloren gehet. Andere gebrauchen die Vorsicht, daß sie bei dergleichen neu=angeschafften Stöcken, ausser der nöthigen Luft, das Flugloch in zwei Tagen nicht eröffnen, sonst aber den Stock sogleich an seinen Ort bringen, und, nach Verlauf zweier Tage, das Flugloch auf den Abend eröffnen, so werden sie früh nicht irre gemacht.

Kauft man die Stöcke an einem Orte allein, und kann man sie, wo möglich, nach eben der Weltgegend, wie sie vorher gestanden, stellen, so ist es den Bienen, wegen der Gewohnheit, eine große Hulfe. Jedoch kommt es etwa auf eine Woche mehr an, so sind sie auch schon einer etwas veränderten Gegend gewohnt, und haben den alten Flug gänzlich vergessen.

Notes Editar

  1. Nützliche Sammlungen vom Jahre ... - Hannover : Schlüter. - 1.1755(1756)-4.1758(1759)
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