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6. Von dem Zeideln der Waldbienen.

Die frohe Erndtezeit der Zeidler ist die Zeit des Zeidelns, oder der Honigausbruch. Da sammelt er die süßen Früchte seiner geringen Bemühung mit vollen Schalen ein. Hierbei nimmt er sonderlich der rechten Zeit wahr, wenn er zeideln müsse. Man hat lange Zeit in dem Vorurtheile gestanden, die Bienen verzehrten im Winter von ihrem Vorrathe mehr, wenn sie dessen viel hätten, als wenn sie dessen weniger hätten, und brechen also den Honig im Herbste aus. Allein, eine bessere Erkenntnis von der Natur der Bienen und ihrer Wartung, die durch geschickte Lehrer dem gemeinen Manne beigebracht worden, hat sie jetzo ganz anders denken gelehrt. Sie glauben nun, daß die Biene das allersparsamste Thier sey, welches nie mehr verzehrt, als es braucht. Sie haben sich sehr deutlich erklären laßen, daß die Biene vor Wind, Wetter und Frost viel sicherer und beschirmter in einem vollen Stocke des Winters über wohnt, als bei einem leeren. Also zeideln nunmehr fast Alle ihre Stöcke im Frühjahr. Aber auch da sündigten unsere Vorfahren wider die gesunden Regeln der Vernunft. Sie zeidelten viel zu zeitig, und zwar bereits im März, wo es noch oft sehr kalt ist, und oft ein langer Nachwinter folget. Dadurch beraubten sie ihren Bienen wiederum die nöthige Beschützung für der Kälte; und wenn sie etwa zuviel ausgeschnitten hatten, so nahmen sie ihnen schon dadurch ihre nöthige Nahrung, daß sie also oft umkamen, oder sich doch kummerlich forthelfen mußten. Sie hinderten sie dadurch an der reichen Einschlagung der Brut, und benahmen ihnen allen Muth, mit muntern Kräften ins Feld zu gehen. Also zeideln nunmehr alle kluge Bienenväter nicht eher, als zur Zeit der ersten Baumblühte. Man gebe besonders auf den Ausbruch der häufig blühenden sauern Kirsch=Blühte Achtung, welche den Bienen eine wahre Stärkung und Reinigung ist. Sie finden alsdenn sofort Blumenmehl zum Wachse, und etwas weniges von Honig, wiewohl ihnen der Stachelbeerstrauch alsdenn schon mehr gewähret.

Oekonomische Encyklopaedie 152

Fig. 152

Geht es nun an ein Zeideln, so sucht er sich mit allen nöthigen Geräthschaften zu versehen, und wandert mit seinem Gehülfen in den Wald. Siehe Fig. 152. Eine Kappe braucht er nothwendig; aber gar selten einen förmlichen Ranchtopf, denn seine rauchende Tabakspfeife ersetzt dessen Stelle. Er mus auch, wegen des auf dem Boden trockenen Nadelholzes sehr behutsam damit umgehen. Er hat ausserdem ein langes Zeidelmesser, eine dreizackige Gabel f, und ein großes und kleines vorn krummes und scharfes Eisen. Alsdenn steigt er entweder auf seiner Leiter auf den Baum, Fig. 153, oder schlingt sich mit dem Kloben an einen Ast, und zeidelt daselbst hangend, Fig. 152, a. Sein Zeidelgeräth hat er um seinen Leibgurt stecken, oder auch in dem Zeidelsacke. d ist ein dichtgeflochtner Korb, oben mit einem Sprügel, woran ein Strick mit einem Haaken bevestigt ist, worinn er die Wachs= und Honig=Kuchen seinem Gehülfen herunter langet. Dieser hat nun unten wieder zween große dichtgeflochtene Körbe oder Fässer, einen für das Gewirke oder Roß, den andern e für den Honig, stehen, worein er alles ausleeret. Die Rußische Manier zu zeideln siehe im 10ten Abschnitt.

Ein kluger Zeidler beobachtet beim Schnitt einige nöthige Reguln. Er schneidet nicht immer alle Jahre den Stock bis ans Haupt aus, so daß er alles oben stehen ließe. Denn dadurch wird dieser obere Theil sehr alt, und für die Bienen unbrauchbar. Der Honig wird daselbst verhärtet, körnigt und zuckerartig; und wird ja ein leerer Raum, so kann keine junge Biene darinnen groß werden, weil zuviel alte Bienenhüllen oder Häute, welche die Nymphen abgeworfen, die Zelle zu klein gemacht haben. Ja, die Motte nistet sich in dieses alte Roß am allerliebsten ein, und verjagt hernach mit ihrem Gespinnste den ganzen Schwarm. Folglich schneidet er alle Jahr eine Hälfte der Beute rein heraus, und läßt von der andern Hälfte einen, oder, wo bereits Nahrung da ist, 1/2 Fuß Honig und Gewirke stehen.

Ueberhaupt zeideln sich die Waldbienen fast leichter, als die im Garten. Die Ursache lieget bloß an der Beschaffenheit ihrer Beute. Bricht man im Garten einen vollen Stock auf, und will die Bienen von einem Orte zum andern ganz weg haben, damit man zeideln kann, so hat man daselbst viel Jagens und Treibens. Wenn man Körbe zeidelt, so giebt es dabei weniger Unruhe; denn man zeidelt den Korb auf einem Tische, und stellt indes an die leere Stelle einen leeren Korb, so fliegen viele dahinein. Allein, das gehet hier nicht an. Sobald aber das Beutenbrett des Waldstocks aufgemacht, und der Schwarm mit Rauch gejagt worden: so ziehet er sich allgemach aus der Beute am Baum hinauf, oder um den Baum herum. Es kommt ihnen dieser Gang sehr leicht für; und die Königinn kann hier weniger verloren werden, wenn sie auch gleich mit austritt, als bei den Gartenbeuten. Nach dem Zeideln zieht sich der ganze Schwarm, wie eine kleine getriebene Heerde Schafe, langsam und ohne allen Tumult in seine alte Wohnung wieder hinein.

Sogleich nach dem Zeideln einer Beute verstopft er alle Ritzen des Beutenbretts mit fichtenen Spähnen aufs sorgfältigste, oder verschmiert es mit Rindermist, der von ihnen sehr geliebet wird; macht auch wohl das Flug=Loch mit Mooß kleiner, damit sich der gezeidelte Schwarm vor den Anfällen der andern im Walde herumirrenden Bienen besser und mit gesammter Hand vertheidigen kann. Nach etlichen Tagen aber öffnet er das Flugloch wieder. Es ist derselbe auch dieser Ruhe sehr benöthigt; denn, da es ohne alle Verzettelung des Honigs nicht allemahl abgehet, der Stock auch inwendig an seinen Wänden viel Honig behält, so müssen sie nothwendig einige Tage Zeit haben, alles wieder in Ordnung zu bringen. Nach einigen Tagen, wenn der Bienenvater merkt, daß die Bienen mit Polirung ihres Stocks fertig sind, kehrt er ihn rein aus, und hebet das unten liegende Gemülle auf, weil es Wachs ist. Viele laßen dieses zwar liegen, und fegen es erst im Herbste aus; allein, sie bekommen auch oft Maden und Würmer hinein.

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