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8. Von den Krankheiten der Waldbienen.

Man behauptet durchgängig, die Waldbienen wären stärkerer Natur, und daher auch nicht so vielen Krankheiten unterworfen, als die Gartenbienen. Daß die Freiheit hierzu etwas beitragen könne, will ich nicht in Abrede seyn. Man siehet dieses an den Thieren, die in der Freiheit leben, daß sie Wind und Wetter weit mehr abhärtet, als die zahmen. Ja, wir Menschen selbst finden das an uns täglich. Je härter wir uns in der Lebensart gewöhnen, desto gesunder sind wir; und je weichlicher wir uns halten, desto unvermögender werden wir, harte und lange anhaltende Arbeiten zu verrichten. Allein, da die Biene im Walde mit der im Garten einerlei Natur und Einrichtung hat, so kann sie, dem ungeachtet, mit eben den Zufällen und Krankheiten befallen werden, als die Gartenbiene. Daß sie sich alsdenn, wegen ihrer stärkern Natur, eher hilft, ist ein Glück für sie; aber es gehen dennoch immer viele ein, welche die Krankheiten durch die Natur nicht überwinden können; nur wird dieser Verlust nicht so sehr gemerkt, wie bei den zahmen.

Nach dem Zeugnisse aller alten und neuen Bienen=Väter, soll die Faulbrut und Bienenpest in den Wäldern eher einreißen, als in den Gärten. Colerus, in seinem Handbuch von den Bienen, S. 99, erzählt hiervon eine besondere Ursache. Er sagt: „es hätten die Forstbedienten einmahl strengen Befehl erhalten, alle Hunde, die sich im Walde sehen ließen, todt zu schießen. Dieses hätten sie gethan; und so wäre eine Menge todter Hunde gefunden worden, welche mit ihrem Gestanke die ganze Luft inficirt hätten. Die Bienen dieses Waldes hätten dadurch die Faulbrut bekommen, weil sie ihrer jungen Brut dergleichen giftige Speise gegeben, und so wären die sämmtlichen Bienen des Waldes damahls eingegangen. So gienge es auch, wenn die Hunde an die Bäume gehangen und erdrosselt würden ”. Er behauptet also, daß sich die Biene auf das todte Aas setze, und daselbst Feuchtigkeiten aussauge. Allein, dieses ist wider ihre Natur, die allen Gestank fliehet, und wider alle Erfahrung. Man kann es füglicher den faulen Ausdünstungen zuschreiben. Daher ist es immer eine nöthige Regel, kein faulendes Aas, so im Freien liegt, nahe an seinen Bienen zu leiden. Zur andern Ursache der Faulbrut kommen die allzu giftigen Mehlthaue. Es ist alsdenn einerlei, ob die junge Brut durch diese faulende Materie verdirbt, oder ob der Weisel krank wird, daß seine Eiergänge verderbet werden, und daß er alsdenn ungesunde Eier leget, oder dieselben verkehrt einsenket, daß sie alsdenn faulen müssen, weil sie nicht heraus können. Das größte Unglück bei solcher Krankheit ist dieses, daß man dabei die Bienen in keinen neuen Stock treiben kann, welches sonst die beßte Cur ist, wie ich bei den Gartenbienen, im 12ten Abschnitt, zeigen werde; sondern die ganze Cur bestehet darinn, daß der Zeidler alles und jedes Honig, Wachs, Brut, rein heraus schneidet, und abschabet, frischen Honig zusetzet, auch allenfalls Safran in Honig gerührt, oder noch besser, guten reinen Kornbranntwein, mit Honig vermischt, ihnen zusetzet, und sie alsdenn ihrem Schicksale überläßt. Diejenige Faulbrut, die sich der unvernünftige Zeidler selbst zuziehet, da er die Brut erkalten läßt, hat nicht viel auf sich; denn sie trocknet nach und nach aus.

Verweiselung, und daraus entstehende Buckelbrut, der Drohnenweisel, Durchfall, Hörnerkrankheit, und die Rank= oder Bienen=Made, sind Zufälle, welche die Waldbienen mit den Gartenbienen gemein haben, und ich werde von deren Behandlung im 12 Abschn. des folg. Art. von den Gartenbienen, das Nöthigste beibringen.

Auch Raubbienen giebt es in den Wäldern, denn die Bienen berauben sich daselbst eben sowohl, als im Garten. Allein, einestheils stehen sie doch weit aus einander, so daß die nächsten Bienen nicht alle Gelegenheiten zu rauben erfahren; anderntheils sucht sich ein erfahrner Bienenwirth im Frühjahr schon dafür zu bewahren, indem er ihnen nach der Zeidelung alle Ritzen verstopfet, und das Flugloch kleiner, als im Sommer, macht. (Einige mischen Bibergeil und Fett unter einander, und beschmieren damit die Fluglöcher rings herum. Die einheimischen werden dessen gewohnt; die fremden aber werden von diesem Geruche abgehalten.) Auch läßt er seine Bienen immer bei Kräften, und die etwa Mangel haben, sucht er durch Honig und durch ein Glas Branntwein stark und munter zu machen. Kommt denn hierzu ihre zur Wildheit geneigte Natur, so vertheidigen sie sich selbst am besten, daß also der Bienenwirth wegen der Rauberei nicht mehr in Sorgen stehet. Im Herbste, ja schon in der Mitte des Augusts, geht bei uns im Gefilde die Beraubung der andern wieder an, weil sie alsdenn wenig Nahrung mehr im Felde finden; da hingegen in Wäldern zu der Zeit die Heideblühte anfängt, und bis in den October ihre größte Honigerndte ist. Alsdenn darf man auch keine Rauberei befürchten. Allmählich rückt der November heran, wo es kälter wird, und wo sich die frostige Biene in ihrer Beute versteckt, und sparsam verzehret, was sie im Ueberflusse eingetragen hatte.

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