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3. Von Entdeckung der Bienen in Hölzern und Gebäuden, und derselben Einquartierung in Stöcke

So sehr auch Deutschland bevölkert und bewohnt ist, und so wenig also die Bienen Gelegenheit finden, in Höhlen, Bäumen oder Mauern ruhig zu bauen: so finden sich doch noch öfters dergleichen wilde Schwärme, die einige Jahre lang, wenn solche honigreich gewesen, und sie zum Ueberwintern genug eintragen konnten, an einem einsamen Ort fortgebauet, und einen ziemlichen Vorrath von Wachs und Honig zusammengebracht haben. Sie sind freilich bei uns seltener, als in Pohlen und Rußland; junge Schwärme aber, die zeitig im Jahre durchgegangen, entdeckt man noch oft genug. Wenn man in Gegenden, wo gewöhnlicherweise keine Bienen angetroffen werden, besonders des Morgens, auf den Blumen, oder Blühten der Bäume, Bienen gewahr wird, so ist dieses ein Zeichen, daß in der Nachbarschaft irgendwo ein Schwarm versteckt seyn mus. Kommen nur wenige dahin, so ist ihr beständiger Aufenthalt entweder weit davon entfernt, oder ihr ganzer Stock nicht zahlreich; siehet man sie aber in großer Anzahl, so hat man guten Grund zu hoffen, daß man ihre Wohnung entdecken werde.

Da sie öfters zu Quellen zurückkehren, so kann man sich folgender Methode bedienen, um die eigentliche Entfernung ihres ordentlichen Aufenthalts von einer solchen Quelle ausfindig zu machen. Man nehme etwas in Wasser aufgelöseten Oker, oder Berggelb, und befeuchte damit einige Grashalmen, welche die Bienen bei ihrer Ankunft mit dem hintern Theile ihres Leibes berühren. Wenn sie nun auf diese Art gezeichnet sind, so giebt man Acht, ob sie bald wieder zurückkommen. Geschiehet solches, so ist es ein Zeichen, daß ihre Heimat nicht weit entfernt ist, und man wird durch Beobachtung der Zeit, welche zwischen ihrer Wiederkunft verfließet, sogar beurtheilen können, wie weit jene abgelegen sey. Kommen sie sehr geschwind wieder, so kann man ihnen vieleicht sofort bis zu ihrem gemeinen Sammelplatz nachfolgen. Kommen sie aber von weitem her, so ist schon mehrere Kunst erforderlich, ihre Wohnung auszuspühren; und man kann sich alsdenn folgenden Mittels bedienen. Man schneidet von einem starken Schilfrohr einen völligen Absatz ab, so daß der Knoten auf der einen Seite daran bleibt, bohret hierauf ein Loch in die Seite dieses Rohrs, und läßt dadurch etwas Honig hinein; worauf man es bei der Quelle oder einem andern dergleichen Sammelplatz niederleget. Hat nun der Geruch des Honigs einige von den Bienen gelockt, so hebe man es auf, und setze den Daumen auf das Mundloch. Alsdenn laße man eine Biene davon wieder heraus, und verfolge sie, soweit das Gesicht reichet. Hat man sie aus dem Gesichte verloren, so laße man eine andere fliegen; und wenn sie eben diesen Weg nimmt, so verfolge man sie auf gleiche Weise. Hierdurch wird man endlich zu ihrem beständigen Aufenthalte geleitet werden. Scheidet eine von den Bienen aus dem Wege, so laße man eine andere fliegen, und sofort, bis man eine eben denselben Weg, als die erste, nehmen siehet. Siehet man aber, daß zwo oder mehrere von leztern eben denselben Weg nehmen, so verfolge man diese, ob sie gleich eine von der erstern verschiedene Straße gewählt haben. Jedoch wird dieses mühsame Aufsuchen der wilden Bienen selten nöthig seyn. Ziehen Schwärme im Sommer in hohle Bäume, oder andere unbequeme Höhlen, so gehen sie mehrentheils im Winter durch die Nasse ein. Ueberdies ist Deutschland sehr bevölkert, und es werden sowohl die Waldungen, als auf dem Felde befindlichen Bäume und andere Höhlen, so stark von Menschen besucht, daß die Bienen oft noch im Herbste daselbst entdeckt werden.

Einige bereiben Stöcke mit solchen aromatischen Pflanzen, die den Bienen angenehm sind; und darauf mit Honig; (von dieser sogenannten Bienenschminke, welche in Wäldern, wo man für die Bienen die Wohnungen in die Bäume aufschlägt, ganz unentbehrlich ist, s. oben S. 435, f.) worauf sie solche Stöcke nahe an die Quellen oder andere Plätze, wo sich jene, besonders in der Schwarmzeit, zu versammeln pflegen, hinstellen. Die dadurch angelockten Bienen laßen sich zuweilen in diesen Stöcken nieder, und man trägt sie darauf nach Hause.

Entdecket man Bienen in einem hohlen Baume, oder leget sich ein abgeflogener Schwarm in eine solche Höhle, und hat sich derselbe schon so lange daselbst aufgehalten, daß der Anfang zum Anbau der Scheiben gemacht ist: so kann man, wenn man von aussen an den Baum schlägt, aus dem Schall und Summen der Bienen abnehmen, wie weit ungefähr die Höhlung reiche. Man schlage hierauf nur mit einem Meißel und Hammer ein Loch in den Baum, und zwar so nahe, als möglich, bei dem obern Theil der Höhle, fahre alsdenn fort, rings herum an den Baum zu schlagen, und dieser Lärmen wird die Bienen dergestallt erschrecken, daß sie insgesammt auswandern werden. (Oefters aber ist man auch ohne vielen Rauch, ja ohne ein unabläßiges Räuchern, nicht im Stande, einen solchen Schwarm heraus zu bringen. Nach Hrn. Schirachs öftern Erfahrung, hat man mehrmahls 3 Tage zugebracht, ein solches hartnäckiges Volk aus einem hohlen Baum zu bringen.) Hält man nun alsdenn einen leeren, inwendig mit etwas Honig eingeschmierten, Stock an den Rand der Höhle, so werden sie sich entweder sofort dahinein begeben, oder sich in der Nähe an irgend einen Baumast legen, von da man sie in den Stock bringen kann. Gesetzt aber, sie blieben nach wie vor im Baume, so werden sie doch durch gedachten Lärmen so in Furcht gejagt, und durch ein fortgesetztes Räuchern dermaßen gedemüthiget werden, daß man eine Tafel nach der andern sicher aus der Höhle heraushohlen kann. Wenn man diese Scheiben herausnimmt, so bringt man sie in einem mit einem leinenen Tuch bedeckten Stock in ein Zimmer. Hier feget man zuvörderst die Bienen von den Scheiben auf das Tuch, und fasset sie in einen leeren Stock. Hat man die Königinn mit in den Stock gebracht, so werden sie sich bald an ihre neue Wohnung gewöhnen. Ist aber die Königinn bei der Operation umgekommen, so mus man, wenn man allenfalls einen in Vorrath hat, ihnen eine andere in einem Schächtlein beisetzen, und nach Verlauf von 24 Stunden unter sie laufen laßen; oder, man setzt ihnen zweierlei Brut=Tafeln nebst einigen Honigscheiben in den Stock, so werden sie sich selbst eine Königinn erbrüten. Falls einige Bienen in der Höhle des Baums zurückgeblieben wären, so läßt man angezündeten Kühmist durch die untere Oeffnung derselben eindringen, und nöthiget die Bienen dadurch, sich durch das obere Loch hinaus zu begeben. Sie werden sich sofort klumpenweise an die Aeste der Bäume anlegen. Der Stock, in dem sich die andern Bienen befinden, kann alsdenn herbei gebracht und nahe an den Baum gesetzt werden, und zwar so, daß er auf der einen Seite ein wenig aufgehoben stehet, damit die Herumstreicher und die an den Baumästen gelagerten Bienen, die sich bald wieder zu ihren Cameraden finden werden, einen desto leichtern Eingang haben. Um ihnen die Lust, nach ihrer Höhle zurück zu kehren, gänzlich zu benehmen, darf man nur den Eingang derselben mit Nesseln, oder andern den Bienen unangenehmen Sachen, verstopfen. Hat man aber dergleichen Schwärme im Herbst entdeckt, da sie für den Winter nicht mehr Nahrung genug finden, so ist es am rathsamsten, sich des Honigs zu bemächtigen, und die Bienen, soviel man ihrer davon habhaft wird, auf die unten anzuzeigende Art, unter die schwachen Stöcke auf den Bienenstand zu vertheilen. Auch kann man solchen Baum umhauen, jedoch so, daß er auf andere Aeste, folglich langsam und gelind, auffalle, alsdenn ihn oben und unten absägen, in den Garten tragen, und im künftigen Jahr durch Untersätze nach und nach in neue Körbe bringen, und, wenn die Untersätze nach abgenommenen Stamm nicht Honig genug hätten, giebt man ihnen einen Aufsatz voll von einem andern.

Findet man die Bienen in der Höhle einer Mauer, oder Wand, so schlägt man mit einem Hammer an diese, und horchet, von welcher Seite alsdenn das Getöse kommt, damit sodenn ein Loch, so nahe als möglich, bei dem Haupte oder obern Gewirke gemacht werden könne. Hierauf verfährt man mit den Bienen und Scheiben, wie im vorhergehenden Falle, und verstopfet hernach, wie vorher, ebenfalls die Löcher, wodurch die Bienen in ihrem natürlichen Zustande aus= und eingeflogen, mit Nesseln, damit sie nicht wieder Lust bekommen, sich wieder dort zu sammeln, und vieleicht noch mehrere dazu zu verführen.

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