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5. Vom Schwärmen der Heidebienen.

Nichts ist in den Monathen Junius und Julius angenehmer anzusehen, als die Art ihres Schwärmens. Vorher schickt der junge Schwarm, oder dessen Führerin, oder ihr natürlicher Instinct, der ihnen zum Lehrmeister und Anführer wird, seine Spurbienen aus. Diese gehen dem starken Geruche der geschminkten Beuten nach, und besuchen alle; und in diejenige, die ihnen sonderlich annehmlich riecht und gefällt, führen die Spurbienen, nach dem Aufbruche des Schwarms, das ganze Heer. Sie ruhen, nachdem sie ausgezogen sind, so wie die Gartenbienen, eine Zeitlang auf einem Aste. Kommt denn nun da der Zeidler ohngefähr darzu, so fasset er ihn in seinen besondern Schwarmsack, und jagt ihn in eine seiner geschminkten Beuten nach seinem Gefallen.

Diese ganze Schwarmgeschichte beschreibt Herr J. G. Vogel, in seiner am 8 Febr. 1769 gehaltenen Vorlesung, von der wilden Bienenzucht und Zeidlergesellschaft zu Muskan in der Oberlausitz Alterthum, Einrichtung etc.( welche im I B. der bereits S. 420 angeführten Gemeinnütz. Arbeiten etc. S. 175--183, desgl. in Schirachs Waldbienenzucht, S. 167--174, anzutreffen ist,) sehr tropisch und schön.

Oekonomische Encyklopaedie 152

Fig. 152

Zuvörderst ist hierbei ein besonderer Schwarmsack, Fig. 156, c c, unentbehrlich; denn mit Sieben und Mulden kann man da nichts anfangen. Er ist etwa 1 1/2 , auch 1/4 Elle lang, und 1 Elle breit. Er ist zusammengenähet wie ein anderer Sack. Allein, oben am Eingange ist ein halber Holzsprügel b b eingenähet, welcher ihm den Sack offen hält. Diesen offenen Sack hält er unter den Schwarm, und schlägt leztern hinein. Denn er hat allemahl seine Zeidelaxt mit. Ferner ist an den Sack ein langes Halsband, a a, an zwei Enden angemacht. Mit diesem hängt er sich den gefaßten Schwarm auf die Achsel, und zwar auf der linken Schulter, indem er den Arm durchgesteckt, steigt vom Baume, und trägt ihn wohin er will. Er bindet ihn oft nicht zu, sondern sein Schwarm bleibt ihm auf dem Boden ruhig liegen.

Im Altenburgischen hat man eine andere Art von Schwarm=Sack oder Bienenfasser. Dieser ist 2 Ellen lang, und unten offen, jedoch so, daß das untere Ende zugebunden werden kann. Oben ist er an ein Quadratholz mit einer Handhabe angeheftet. Dieses hält man unter den Schwarm; und wenn man ihn eintreiben will, bindet man das untere auf, und leget es in einen Stock oder Korb, da denn die Bienen bequem hineinlaufen. Man findet ihn Fig. 157 abgebildet. aa ist das Band, welches das untere offene Ende zubindet; b b das Quadratholz mit einer Handhabe, woran der Sack gut bevestigt ist; und c c der Sack selber.

Bei dieser Schwarmfassung kann er seine lange fichtene Leiter nicht überall mitschleppen. Wenn nun der Schwarm sehr hoch hängt, (wie denn in manchen Waldungen die Aeste der Bäume ganz oben, 20, 30 bis 40 Schuh hoch sind,) so bedient er sich einer Kunst, die Geschicklichkeit und Uebung erfordert. Er hat zu solcher Zeit allemahl einen starken hanfenen Strick bei sich, woran eine Art von Kloben ist. Diesen wirft er auf den nächsten Ast, ziehet sich selbst, im Kloben sitzend, bis auf den Ast, wie es ungefähr unsere Schiefer= und Ziegeldecker machen, welche die höchsten Dächer ohne Gerüste besteigen und decken. Hängt der Schwarm nun noch höher, so wiederhohlt er dieses, bis er ganz hinauf kommt. Dieses Bienenseils bedienen sich die Zeidler in der Lausitz. In Rußland bedienen sie sich, in solchem Falle, eines langen Riemens; siehe unten im 10ten Abschnitt.

Auf die anizt beschriebene Art, faßt der Zeidler einen von ungefähr gefundenen Schwarm ein. Es versteht sich von selbst, daß ein solcher Schwarm in dem eigenen Antheil seiner Zeidelheide angetroffen werden mus. Findet er einen dergleichen auf dem Antheil eines andern, und läßt sich belieben, ihn zu fangen, und es kommt heraus: so wird er hart gestraft. Ein einziger Umstand, nehmlich der Wurf mit der Zeidelaxt, erlaubt ihm aus seines Nachbars Heide neben an seiner Gränze seinen Schwarm zu fassen. Wenn sich nehmlich die Bienen nicht weit von seiner Gränze ansetzen, und er getrauet sich den Schwarm, oder vielmehr den Baum, an welchen er sich angelegt, mit dem Wurf der Zeidelaxt, welche er, an der Gränze rücklings stehend, unter dem linken Arm durchwirft, zu erreichen: so kann er ihn aus des Nachbars Heide wegnehmen; mißlingt es ihm aber, so verliert er nicht nur seinen Schwarm, sondern er fällt überdies noch in Strafe.

Diese Fassung aber geschiehet sehr selten. Sie fassen sich am liebsten selbst. Hierbei aber mus die Beute vorher wohl zubereitet seyn. Diese Zubereitung bestehet darinn, daß er 4 oder 2 Wochen vorher seine Beuten, in die ihm Schwärme ziehen sollen, von allem Unrathe, als Spinnengewebe, Gemülle etc. reiniget. Alsdenn mus er sie schminken. Dieses ist ein altes Kunst=Wort, welches von vielen Jahrhunderten her beibehalten worden ist, und eigentlich soviel als einschmieren bedeutet. Der alte Colerus hat es schon, und die jetzigen Zeidler heißen ihre Bienensalbe auch noch eine Schminke. Aus der Zubereitung derselben machen jene Zeldler ein Geheimnis. Nach Hrn. Schirachs Versicherung aber, bestehet ihre Zubereitung in folgendem. Man läßt sich aus der Apotheke bringen: Muscatennüsse, 2 Quentgen; Campher, Johannisbrod, Anis, Nägelein, Aloewurzel, weißen Ingber, Fenchelsaamen, Zuckerkraut, von jedem 1 Quentgen; Süßholz, Bibergeil, Bärwurzel, von jedem 1/2 Qu.; Muscatenblumen, 11 Gran. Diese Species läßt man sogleich in der Apotheke klar unter einander schneiden und stoßen; gießt 1 oder 2 Meßkannen Brunnenwasser darauf, damit sie davon erweichen, und läßt es 24 Stunden stehen Nachher gießt man das Wasser rein ab, und hebt es zu den nachfolgenden grünen Speciebus auf; auf diese gießt man nun ordinairen blanken Wein, ein paar Kannen, und läßt es an der Sonne destilliren, welche dann den angenehmsten Geruch ausziehen. Will man nun schminken, so gießet man so viel ab, als man braucht. (Man braucht aber dessen zu einer Beute nicht viel, denn es ist sehr stark.) In diese abgegossene Masse gießt man, nach Beschaffenheit, eine halbe oder eine ganze Kanne fließenden Honig, welches denn die Quantität der Schminke vergrößert. In diese ganze Masse tröpfelt man nur einige Tropfen des besten, entweder Peruvianischen, oder sonst eines andern wohlriechenden fließenden, Balsams, damit er den Geruch vermehre. Hiermit schmieret man die Beuten mit einem wollenen Lappen hin und wieder ein, so heißen sie geschminkt.

Hr. Schirach sagt: „Diese Schminke kannten meine Zeidler gut. Aber, anstatt daß ich Wein darauf gieße, so gießen sie Branntwein darauf, weil er ihnen wohlfeiler kommt, und laßen ihn am warmen Ofen, oder an der Sonne, ausziehen. Damit aber würden sie nicht weit reichen, denn sie schmieren den ganzen inwendigen Stock, und denken: Viel hilft viel. Um nun genug Masse zu bekommen, nehmen sie allerhand grüne Kräuter, die zu der Zeit grünen und blühen; als: Orange= oder Citronen=Blühte, Thymian, Lorbeerblätter, Basilicum, Fenchel, Lavendelblühte, von jedem 1 Handvoll; und ist der Bocksbart ( Tragopogon schon vorhanden, so hohlen sie sich dessen auch 1 Handvoll; ingleichen Günze= oder Mottenkraut, so in Heiden wachst. Diese schneiden sie nun sehr klein, thun es in einen neuen großen Topf, gießen ungehopft Weiß= oder Weizen=Bier, so an und vor sich die stärkste Süßigkeit hat, darauf, doch so, daß der Topf nicht ganz voll wird, bedecken den Topf mit einem irdenen Deckel, kleben diesen mit Teig vest an, und laßen die Masse einige Tage in Gährung gerathen. Dadurch werden die oeligten und balsamischen Theilchen aufgelöset, und mit dem jungen Biere vermengt. Alsdenn gießen sie alles rein ab. Riechen die Kräuter noch sehr stark, so wird wieder etwas junges Weizenbier aufgegossen, und der Topf zugemacht. In diese erste Masse gießen sie nunmehr den vierten Theil jener mit Branntwein destillirter trockener Kräuter, vermengen damit ein paar Kannen fließenden reinen Honig, tröpfeln kurz vor dem Schminken ihren Balsam, den sie dort besonders zubereiten, hinein; und nun ist ihre Schminke fertig. ”

Der aufgegossene Wein oder Branntwein auf die erste Art trockener Sachen hält sich viele Jahre. Man mus ihn aber in einer gläsernen Bouteille an einem trockenen Orte verwahren; auch mus das Frauenzimmer zu gewissen Zeiten davon bleiben. Anstatt des Weißbieres kann man auch auf diese grüne Kräuter jenes abgegossene erste Wasser gebrauchen, und destilliren laßen. Anstatt des Weins oder Branntweins, bedienen sich Einige auch der süßen Weintrauben.

Kommt nun die Schwarmzeit heran, so gehet der Bienenvater 8 oder 14 Tage vorher mit dieser seiner Salbe in den Wald, und schmiert daselbst alle Beuten, die er zu gebrauchen gedenkt, wohl ein.

Noch ein Umstand ist zur Zubereitung nöthig. Man hat nehmlich durch lange Erfahrung wahrgenommen, daß es die Bienen gern sehen, wenn ihre neue Wohnung in einer Art vom Verborgenen ist. Daher umwindet der Zeidler seine geschminkte oder gesalbte Beuten mit jungen frischen Fichten= oder Tannen=Zweigen, so daß nun das Flugloch zu sehen ist. Die 2 oder 3 Bänder, mit denen sie am Baum angebunden sind, sind auch von grünen zähen fichtenen jungen Reisern. Sobald der Schwarm eingezogen und eingewohnt ist, alsdenn werden diese wieder abgeschnitten. Sind denn nun aber diese Fichten= oder Tannen=Reiser verdorrt, so ist das ein Kennzeichen, daß daselbst eine leere Bienen=Beute sey, die er auf die Art für allerhand Ungeziefer bewahrt hat. Ist sie indessen inwendig rein, und findet sich von ungefähr daselbst ein Schwarm ein, so ist er ihm gar sehr lieb.

Hier endigen sich nun des Zeidlers Bemühungen, die er vor der Schwarmzeit zu thun hatte. Er erwartet nunmehr von dem gütigen Einflusse des Himmels seine Schwärme. Allzuviele sind ihm eben nicht angenehm; desto lieber aber sind ihm ein Vorschwarm und ein Nach=Schwarm. Ist jedoch der Herbst gut, so gedeihen auch die übrigen, und sie bekommen oft in Einem Jahre von 20 bis 30 Mutterstöcken, 60, auch 70 Schwärme. Uebersteigt diese Anzahl ihre vorräthige geschminkte Beuten, so sind sie nicht zu gewissenhaft, die schwächsten davon in die andere Welt zu schicken, wenn anders der Satz der bonnetischen Palingenesie Grund hat, da dieser große Philosoph die Wiederauflebung der Thiere aus ihren organischen Keimen in jener Welt behauptet.

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