FANDOM


13. Vom Bienenstich, und den Mitteln dagegen.

Es ist bisher noch kein allgemeines Mittel ausfindig gemacht worden, einestheils die Stiche der Bienen gar abzuwenden, anderntheils sie augenblicklich zu heilen. Denn, es ist um diese Stiche allerdings nicht selten gefährlich, weil diese kleine boshafte Feinde, wie bereits oben, Pfeil-IconS. 482 erwähnt worden, gemeiniglich ihre Waffen, nehmlich den Stachel, in unserm Fleische zurücklaßen, wovon die Beulen schwären. Der bei dem Stechen zugleich in die Wunde gespritzte Gift verursachet <4, 750> hauptsächlich den brennenden Schmerz und die Geschwulst, und zwar desto mehr, je mehr Gift in die Wunde kommt, je mehr aber auch zugleich größere Gefäße und empfindlichere Nerven verletzt worden. Auch bewirken die unterschiedenen Jahrszeiten einen großen Unterscheid in Ansehung des aus den Bienenstichen entstehenden Schmerzens. Im Sommer, fallen diese Stiche viel empfindlicher, vieleicht weil die Feuchtigkeit spirituöser und erhöheter ist, auch die Bienen damit besser versehen, und sie herausflüßen zu laßen besser im Stande sind. Im Winter und in kalten Zeiten hingegen sind die Stiche bei weitem nicht so zu fürchten, weil die Biene weder mit Gift genugsam versehen, noch auch stark genug ist, ihn in die Wunde hinein zu bringen. Ein gewisses Maaß dieses Giftes an verschiedenen Theilen des Leibes ausgetheilt, kann Entzündungen, Ohnmachten, Zuckungen, und endlich ein Fieber erregen, darunter der stärkste Mensch erliegen müste. Pferde sind in 1/4 oder 1/2 Stunde davon gestorben.

Zu Kriegeszeiten hat man sich der erzürnten Bienen zur Beschützung zu bedienen gewußt. Aus den neuern Zeiten führet BONFINIUS Rer. Hung. Decad. III. Lib. 4. ein Beispiel an, daß der Türke vor Stuhlweissenburg vom Stürmen sey abgetrieben worden, weil die Belagerten aus der Stadt mit Bienenstöcken unter die Türken, da der Sturm am heftigsten gewesen, geworfen. Ein anderes aus den alten Zeiten findet man in des BOCHARTI Hierozoico aufgezeichnet. In Appiani Mithridatico, cum Luculliani per cuniculos Themiscyram aggrederentur, Themiscyrii ursos ferasque alias & σμηνη μελισσων, examina apum, in operarios emittebant.

Um die Augen, als das zarteste der menschlichen Glieder, ist man billig am meisten bekümmert, sie zu verwahren, indem es Erempel giebt, daß Leute von den Bienenstichen blind geworden sind; und wofern die Nachricht, die einige derer Alten aufbehalten haben, richtig ist, so hat der große Homer, der Fürst der Dichter, ein so bedauernswürdiges Schicksal gehabt, <4, 751> daß er durch den Stich der Bienen beider Augen beraubt worden.

Die Bienenstiche in etwas abzuhalten, mus man eine gedoppelte Vorsicht gebrauchen. Man mus nie mit starkem Schweiße unter sie treten, denn dieser ist ihnen zuwider. Vielweniger darf man mit stinkenden Sachen, als z. E. Knoblauch, Zwiebeln etc. kommen. So stehen ihnen auch alle starkriechende, balsamische Sachen nicht an. Herr v. Reaumür sagt: „ Ich mus allemahl davon laufen, wenn ich mit meiner Staatsperuke zu ihnen trete, im Schlafrocke hingegen leiden sie mich gern ”. So lieben sie auch Reinlichkeit und weiße Wäsche ungemein. Die andere Vorsicht ist diese, daß man sich seine Hände mit Rauche allemahl wohl beräuchert, und allenfalls mit Petersilie, Gartenmelisse oder Fenchel, etwas abreibet. Auch wird man, wenn man Spargelwurzel pülvert, davon mit Baumöl eine Salbe macht, und die Hände damit bestreichet, so leicht von keiner Biene gestochen.

Wird man von einer Biene wirklich gestochen, so mus man sie nicht eifrig wegreißen, sondern sie ein paar Minuten arbeiten laßen, den Stachel selbst herauszubringen. Ist sie aber dieses zu thun nicht vermögend, so suche man, ehe die Geschwulst zu stark wird, den Stachel nach, verfahre beim Herausziehen vorsichtig, damit er nicht abbreche, weil sonst der zurückbleibende Theil den Schmerz empfindlicher und länger anhaltend macht, drücke den Stich mit dem Nagel hart, damit das mit dem Stachel eingeflößte Gift heraus komme, und halte etwas von einer gemeinen Zwiebel darauf, oder lege alsbald frische kühle Erde, oder ein wenig kühles Gras, auf, welches in weniger als 1 Minute allen Schmerz und Geschwulst wegnimmt. Wenn man aber die Wunde mit frischen Wasser, Urin, oder Essig, auswäscht, soll es noch besser und sicherer seyn. Andere rühmen Petersilie, Pappelkraut, <4, 752> Melisse, Natterzünglein, (welches leztere Kraut man aber nur bis Viti auf den Wiesen hat,) ingleichen frische Lorbeerblätter, gequetscht und aufgelegt. Durch etliche Tropfen Scorpionöl wird nicht nur dem Schmerz und der Geschwulst vorgebauet, sondern solches sogar völlig gehoben. Auch in Wasser aufgelöseter Indigo, ist probat befunden worden; ingleichen der Saft von saftreichen Blättern der Vegetabilien, die so oft, als sie warm geworden, erneuert werden müssen. Vornehmlich ist der Saft, den man aus einem frischen grünen Trieb von dem weißen Holunderstrauch auspresset, ein ziemlich allgemeines sicheres Hülfsmittel. Ein bewährtes Mittel wird auch aus dem Vorrath, den die Bienen selbst darreichen, hergenommen. Man beschmiere nehmlich die verwundete Stelle mit Honig; dieses wird augenblicklich Linderung verschaffen, die Geschwulst zertheilen, und alle Steifigkeit und Verhärtung derselben verhindern. Ist der Honig, der etwas dünn seyn mus, trocken geworden, so verfahre man auf ähnliche Weise von neuem. Wer Gelegenheit dazu hat, kann das verletzte Glied ganz in Honig, wozu der Futterhonig, weil er etwas dünner und flüßiger ist, am bequemsten ist, eintauchen, und eine Stunde lang gleichsam darinn baden, so wird bald hernach kaum die Stelle zu spühren seyn, wo der Stich geschehen ist. Es scheint daher das von Einigen angepriesene Mittel, die Biene, welche gestochen hat, auf dem Stich zu zerdrücken und sogleich vestzubinden, aus der Ursache nicht unschicklich und unwirksam zu seyn, weil die Bienen bekanntermaßen (s. oben Pfeil-IconS. 481) ein mit Honigsaft angefülltes Bläslein bei sich führen.

In der 3ten Sammlung der oberlausitz. Bienengesell. S. 88, f. wird ein von einem berühmten preußischen Wundarzt, der sich ehedem lange Jahre mit Bienen beschäftigt hat, bekannt gemachter balsamischer Spiritus, aus Weingeist, Sauerkleewasser, weißem Zucker <4, 753> und Vitriolgeist, vorgeschlagen. Wenn man diesen sogleich mit einer Compresse aufschlägt, und leztere dann und wann damit netzet, so soll sich der Schmerz in wenig Minuten verlieren, und der Geschwulst dadurch vorgebeugt werden.

Wenn nichts sonst bei der Hand ist, so hat uns die Natur selbst einen Balsam gegeben, womit wir alle Wunden von Stacheln der Bienen, Wespen, oder auch von Dornen, heilen können, nehmlich das Ohren=Schmalz, womit man sie nur reiben darf.

Nach No 26 des Leipz. Intell. Bl. v. J. 1769, S. 262, darf man nur, nach herausgezogenem Stachel, die Wunde mit seinem eigenen Speichel überstreichen, und solchen mit der Hand auf selbiger so lange reiben, bis sich der Ort von dem Reiben erhitzet, und man solches nicht länger mehr dulden kann. Es leistet auch ein bloßes, jedoch ungleich stärkeres, Reiben eine eben so gute Wirkung.

Nach dem Berichte des 17 St. d. Witt. Wochenbl. a. d. J. 1768, S. 143, f. ingleichen des 3ten Jahrg. der Mannigfaltigkeiten, S. 62, hat folgendes Mittel, welches ursprünglich aus Asien stammt, auch in Europa allenthalben, wo es gebraucht worden, erwünschte Wirkung gethan. Man nimmt einen Löffelvoll ungelöschten Kalk, zerreibt ihn zwischen den Händen, und reibt alsdenn die Stellen stark damit, wo man einen schmerzhaften Stich bekommen. Der Schmerz vergehet augenblicklich; die Geschwulst aber, welche ubrig bleibt, wird durch einen Löffelvoll reines Wasser vertrieben, womit man die verletzten Oerter ein wenig bestreichet. Es entstehet dadurch eine kleine Gahrung, wodurch in wenigen Stunden Schmerz und Geschwulst gänzlich gehoben werden. Man bringt nur wenig Wasser auf einmahl, aber desto öfter, an die beschadigte Stelle; sonst macht man die Gährung zu stark, und würde die Haut verletzen. <4, 754>

Nach Anzeige des 83 St. des Hannov. Magaz. v. J. 1771, soll man einen weißen Mohnkopf nehmen, ihn ein wenig einschneiden, und aus dem Einschnitt, sogleich nach dem Stiche, einige Tropfen von dem Milchsafte auf die verletzte Stelle drücken. Der Schmerz wird hierdurch augenblicklich gelindert, und es erfolgt keine Geschwulst.

Wahrnehmung von der Wirkung des Magsaamensaftes, bei Gelegenheit eines Immenstiches, von Hrn. Delaistre, st. in der aus dem Französ. übers. Samml. auserles. Wahrnehmungen etc. IV B. 4 St. Frf. und L. 1759, 8. S. 351--353.

Nichts ist schädlicher, als die von Bienen verletzten Theile gegen das Feuer zu bringen, oder, wie Einige anrathen, ein im Feuer erhitztes Stück Eisen, oder, in Ermangelung dessen, eine glüende Kohle, so nahe und so lange als man es ausstehen kann, an die Wunde zu halten, oder den Ort des Stichs mit hitzigen Säften, als: Branntwein oder Wein, anzufeuchten. Man hat Beispiele, daß daher Fieber und hitzige Krankheiten entstanden sind.

Wenn es sich ereignet, daß ein auf die Straßen niedrig hinziehender Schwarm den Pferden auf den Leib fiele, mus man solche, wenn sie vor dem Wagen sind, sogleich ausspannen, oder die Stränge abschneiden, und wenn sie verfolget werden, sogleich mit den Pferden in einen finstern Stall eilen, indem die Bienen, sobald sie aus dem Hellen ins Dunkle kommen, irre gemacht und vom Verfolgen abgehalten werden.

Wenn ein Bienenstock durch Menschen oder Thiere unvorsichtiger Weise umgestoßen worden, so mus man seine Zuflucht weder zu sympathetischen Mitteln, noch zum Wasser, am allerwenigsten aber zum Abtreiben mit Ruthen, nehmen, welches leztere sie nur zorniger machet. Das Beste bei dem Vieh ist in solchem Falle, daß man dasselbe alsobald in einen dunkeln Stall, so geschwind als nur möglich ist, treibe, und die Thüre verschlüße. <4, 755> Es verstehet sich von selbst, daß kein ander Vieh darinnen stehe; denn diejenigen Bienen, die schon an dem Pferde sind, würden auch über jene herfallen. An der Stallthüre sucht man eine kleine Oeffnung zu verschaffen, so werden die an dem Vieh sitzenden Bienen ablaßen, zu der kleinen Oeffnung hinausfliegen, und den Rückweg suchen. Ein anderer mus mittlerweile eine Bienenkappe und Handschuhe angezogen, und den umgeworfenen Bienenstock wieder auf sein Brett und alte Stelle gesetzt haben, und die herausprellenden zornigen Bienen mit Rauch von Lunte oder Schwämmen, die man vom Eichbaum erhält, demüthigen und zur Ruhe verweisen. Auf dem Platz, wo das erzürnte Thier zuerst angefallen worden, werden die Bienen noch eine Zeitlang diejenigen anfallen, so ihnen nahe kommen; daher darf man nur einen Löffelvoll Honig auf einen Teller in eine kleine Entfernung vom Bienenstande hinstellen, so werden sie selbigen suchen, und das angethane Leid darüber vergessen. Durch diese geringe und schleunige Hülfe kann man die Bienenstöcke sowohl, als die angefallenen Thiere, retten; wie im widrigen Falle gar viele Bienen hervordringen, und einander gleichsam zum Streit aufmuntern, wornach dem Thiere selten eine Rettung übrig bleibt. Man sehe hierüber das 6te Blatt der Kaiserl. Reichs=Oberpostamtszeitung, v. J. 1768, was vor ein Unglück in England an einem Pferde geschehen. Auch in No. 91 der Mannheimer Zeitung, v. J. 1770, lieset man, daß in Sachsen, zu Bischdorf, durch einen von einem Pferde umgestoßenen Bienenstock, das Pferd zu Tode gestochen, und der Bauer dem das Pferd gehörte, wegen seiner mit Ruthen gemachten Gegenwehr, übel zugerichtet worden.

Sind Pferde oder Rindvieh bereits gestochen, so binde man solche dergestallt an, daß sie sich nicht an den gestochenen Orten reiben, beißen oder lecken, weil sonst die Geschwulst vermehrt, und die Stiche, ob<4, 756>gleich nicht allzuvieler Bienen, sodann tödtend werden können.

De punctura apum, s. BERN. GORDONII Lilium medicinae, Frf. 1617, 8. Partic. I. Cap. 16, p. 67.
Observation of the Sting of a Bee, by ROB. HOOKE, st. in dessen Micrographia, Lond. 1667, gr. 4. Obs. 34, p. 163--195; nebst Kupfern.
DAN. LUDOVICI obs. de apum ictu, st. in den Ephem. Nat. Cur. A. 1677, s. A. VIII. Obs. 67.
LAZ. RIVERII obs. de punctutis apum, st. in dessen Obss med. & curation. insign. Cent. III, Obs. 14; ingl. in dessen Opp. med. uniuersis, Lugd. 1679, f. p. 519.
VDALRICI STAUDIGELII obs. de curiosis post apum ictus symptomatibus, st. in den Ephem. Nat. Cur. Dec. III, A. VII & VIII, obs. 194.
El contenido de la comunidad está disponible bajo CC-BY-SA a menos que se indique lo contrario.