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2. Allgemeine nöthige Eigenschaften eines Waldes oder Heide, wo eine Bienenzucht anzulegen.

Ich sehe nunmehr den Wald für ihre allgemeine, die Beuten aber für ihre besondern Wohnungen an. Wie mus aber der Wald oder Heide beschaffen seyn, wo man eine Bienenpflege anlegen will?

Die vornehmste Eigenschaft ist, natürlicherweise, die, daß man solche Wälder nimmt, wie die im vorigen Abschnitt beschriebenen fruchtbaren hohen Bäume, Sträuche und Kräuter, wo nicht alle, doch zum Theil, zu finden sind. Denn, da der Wald hier nicht bloß als eine Wohnung, sondern als ein Ort ihrer Nahrung, anzusehen ist, so folgt nothwendig daraus, daß sie daselbst Weide finden müssen. Es schicken sich daher nicht alle Heiden darzu. In der Ober= und Nieder=Lansitz sowohl, als in der Mark, giebt es Heiden, wo man den allerunfruchtbarsten Flugsand zum Boden antrifft, wo kaum für die Schafe eine dürre Art von Mooß u. d. gl. wächst. Es giebt aber auch hingegen ansehnliche Waldungen, wo Fichten, am Rande Faulbäume, Tannen und andere wildwachsende gute Bäume genug anzutreffen sind; wo auf dem Boden manche Strecke bloß mit rothen Preißelbeer= und schwarzen Heidelbeer=Kräutern, eine andere Strecke aber ganz mit Heidekraut überwachsen, und gleichsam überzogen ist; an solchen Orten nun kann man sichere Rechnung auf eine gedeihliche Bienenzucht machen.

Die andere nöthige Eigenschaft, sind hohe und starke Bäume. Die Höhe der Bäume ist ihnen eine Schutzwehr für den reißenden Winden; und wo Beuten sollen eingehauen werden, da müssen starke Bäume seyn. Es ist ganz natürlich, daß ein niederstämmiger Baum seine Aeste von unten an hat. Er sey nun noch so stark, so kann, seiner vielen Aeste wegen, keine Beute mit Bequemlichkeit eingehauen werden. Die Höhe mus doch wenigstens 40 Ruthen seyn. Ich sage nicht, daß der ganze Wald aus lauter starken Bäumen bestehen müsse; denn die Forderung wäre zu unbillig, weil doch in allen Wäldern nach den Forsten in einer gewissen Ordnung geholzet wird, wo nachher junge Bäume genug aufwachsen. In den großen ungeheuern Waldungen siehet man daher öfters einen ansehnlichen District junger geschlanker Bäume, in deren Mitte eine Anzahl alter starker Bäume stehet, worinn Beuten sind, und welche man Zeidelbäume nennet.

Ich komme auf die dritte Eigenschaft, die eine Waldung oder Heide haben mus. Es ist bekannt, daß die Bienen zu ihrer Brut salinische und mit Salpeter vermischte Wasser haben müssen. An den Häusern haben sie dergleichen Ausflüsse genug, und man siehet gemeiniglich die Bienen mehr auf den urinösen Ausflüssen, die aus den Ställen oder Miststätten abfließen, ihre Nahrung für die junge Brut saugen, als an den reinen Flüssen. Sind die nicht da, so suchen sie sich doch erwärmte stillstehende Wasser oder Pfützen, die vom Regen auch viel salpetrische Theile erhalten haben. Folglich mus ein Wald, wo man Bienen anlegen will, kleine durchströhmende Flüsse oder Gräben, oder, welches noch besser ist, stillstehende kleine Pfützen, Seen oder Teiche haben. Die Sümpfe, deren es oft viele häufig darinnen giebt, sind ihnen auch nicht zuwider. Wälder, wo in vielen Meilen keins dergleichen ist, taugen nicht darzu. Findet sich aber nur eins von den oberwähnten Wassern im Walde, gesetzt die Biene müßte auch eine Strecke von 1/4 Meile darnach fliegen, so ist es gut. In dem Falle bedienen sie sich auch gern des Morgenthaues; nur daß dieser nicht täglich fällt.

Es verstehet sich von selbst, daß ich allemahl ansehnliche Heiden darunter verstehe. Man findet oft nahe an den Dörfern mittelmäßige Wälder von starken Bäumen, woselbst aber weder Heidekraut, noch Preißel= oder schwarze Heidelbeer=Sträucher anzutreffen sind, wegen der jährlichen Streusammlung, die die nächsten Bauern dort machen müssen. Das Nadelholz, welches daselbst alljährlich abfällt, ist ihre unentbehrliche Streu, wodurch sie neuen Dünger machen. Hat also gleich vorher etwas von dergleichen da gestanden, so hat man es mit dem Harken abgerissen, oder reißt es noch jährlich ab; daß also solche Gegend schlechterdings für die Bienen nicht ist. Zudem findet man auch gemeiniglich vor diesen nahen Wäldern unabsehliche Fluren Getraideboden, wo für die Bienen, ausser dem Buchweizen im Herbste, nicht das geringste zu wuchern ist.

Auch die gebirgigten Waldungen sind nicht alle darzu geschickt; gesetzt, daß sie auch alle mögliche gute Bäume hätten. Die gebirgigten Waldungen haben meistentheils zwo Seiten, eine Mittägliche, und eine Nord=Seite, oder Morgen= und Abend=Seite. An der kalten Nord= und Abend=Seite Bienen hinzustellen, wäre unschicklich, weil sie die viele Kälte und der Mangel der erwärmenden Mittagssonne allzusehr hindern würde. Sie würden spät aus= und zeitig einfliegen. Hingegen sind alle Morgen= und Mittags=Seiten sehr bequem darzu. In allen gebirgigten Gegenden findet man Quellen, die am Fuße oder in der Mitte derselben entspringen; folglich hätten sie da auch ihr Wasser. Selbst an den Füßen der Berge sind die fruchtbarsten Wiesen.

In manchen Gegenden find die Waldungen so eingerichtet, daß auch Bauergütern ein Theil derselben gehört. Dieser Antheil ist allemahl sehr ruinirt, und hat meist jung Holz; und hat ja auch ein guter Wirth noch ein Stück stark alt Holz, und heget es, so kommt vieleicht der minder sparsame Sohn, und schlägt, nach seines Vaters Tode, das meiste alte Holz nieder, und thut sich was dafür zu gute. Daher ist in solchen Bauer=Antheilen mit der Waldbienenzucht wenig zu thun; sondern dies ist eine Sache für Fürstliche, Gräfliche, und begüterter Herrschaften Wälder, welche die Zeidelbäume entbehren und ihr Holz schonen können. Denn man kann deshalb doch um und neben den Zeidelbäumen Holzschläge anstellen, da hingegen jener in ein paar Jahren mit seinem starken Holze reine Arbeit macht.

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